Glauben vs. Wissen oder auch: Bullshit vs. Wahrheit



Wir Menschen glauben an eine ganze Menge:

Chakren, Brustkrebs, Kundalini-Schlangen, die Wahl des richtigen Räucherstäbchens, Partners, Urlaubsziels, Berufes. Schulmedizin oder Homöopathie? Star Wars oder Herr der Ringe? Raketentechnologie, Kernspaltung, den Weihnachtsmann- oder an irgendwas davon eben nicht- was aber auch wieder nur ein Glaube ist.

Egal, was man glaubt oder gar meint zu wissen: Schwerkraft, Mathe, biographische Daten, Nasejucken- egal was: Alles setzt Bewusstsein voraus.

Niemand hat einen Zugriff auf irgendetwas außerhalb von Bewusstsein. Selbst wenn man sich im Schlaf filmen lässt und den Film hinterher anguckt, ist das Anschauen- zack- Bestandteil von Bewusstsein. Man kann niemals etwas außerhalb von Bewusstsein erfahren. Alle Erfahrungen, alle Ereignisse- Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, die Sonne auf Deiner Haut, Herbstregen auf dem Vordach finden innerhalb von Bewusstsein statt.

Jeder, der schon mal intensiv und lebhaft geträumt hat, wird bestätigen können, dass während des Traumes sich alles höchst real angefühlt hat. Wo ist der Unterschied zum Wachzustand?

Mir persönlich sind sogar Fortsetzungsträume gut bekannt. Also überzeugt mich auch das Argument, dass der Wachzustand sozusagen erzählerisch an den Tag davor anknüpft nicht. Mal davon abgesehen, dass manche Tage des Wachtraumes so dermaßen voller überraschender Wendungen und Stimmungsunterschiede stecken, dass ich oft genug überhaupt nicht finde, dass der Tag erzählerisch an den vorhergehenden anknüpft.

Tatsache ist, wir könnten prinzipiell wie im Film Matrix als Energielieferanten für Maschinen dienend in komischen Kokons liegen und das alles hier rein virtuell erleben. Eine gigantische, verdammt gut gemachte Simulation.

Vielleicht ist es auch so, dass Bewusstsein, seines Zeichens unendlich und merkmalsfrei- also im Prinzip das große Nichts, einfach irgendwann keinen Lust mehr auf nichts hatte und stattdessen begann uns, das Universum und alles andere, zu träumen. Aus Gründen der Selbstunterhaltung- oder vielleicht einfach nur, weil es das halt kann. Entertainment als ultimativer Grund für den ganzen Quatsch hier erscheint mir zumindest extrem plausibel, weil es wirklich alles, vom schrecklichsten Schrecken bis zum wundervollsten Wunder, erklärt. Oder würde sich irgendwer einen Film anschauen, in dem 10 dicke alte Männer zufrieden grinsend aufs Meer schauen und die einzige Handlung darin besteht, dass hin und wieder einer von ihnen den Kopf mit einem behaglichen Seufzen von der einen auf die andere Seite legt?!

Eben!

Trotzdem:

Ich weiß es schlicht und ergreifend nicht. Und niemand wird es jemals wissen, was das hier alles ist und soll. Dazu müsste man (im Sinne von Bewusstsein) außerhalb von Bewusstsein (im Sinne von sich selbst) gelangen können. Das das nicht geht, wird hoffentlich schon aus der Foormulierung ersichtlich.

Daher lehne ich jedweden Glauben an egal was ab- ich lehne aber zugleich auch ab, an etwas nicht zu glauben. Vielleicht gibt es Chakren, vielleicht auch die Schwerkraft- höchstwahrscheinlich ist es alles nur Teil des Traumes. Manche Erfindungen innerhalb des Traumes sind hilfreich, um sich darin besser zurecht zu finden- manche vielleicht sogar hilfreicher, als andere. Aber nur weil etwas hilfreich ist, wird es dadurch nicht wahr.

Ein Beispiel:

Es gibt zwar den Spruch: Wer heilt hat Recht. Ich halte den aber für semantischen und logischen Mumpitz. Wer heilt, heilt. Wenn überhaupt! Denn bloß weil ein räumlich-zeitlicher Zusammenhang zwischen Aufsuchen eines Heilers und Stattfinden einer Heilung besteht, heißt das in Bezug auf die Heilkräfte des Heilers genau: gar nichts. Aus meiner Sicht ist letztendlich sowieso jedwede Form von Heilung Selbstheilung. Angefangen bei der Wahl der Heilmethode, weitergehend bei der Wahl des spezifischen Heilers (alle Sparten, von Ärzten über Heilpraktiker zu Schamanen sind damit gemeint), der Einhaltung (oder auch nicht) der verschriebenen Therapien- muss man alles selbst tun oder lassen. Vom Einfluss der eigenen Motivation für und des Glaubens an eine Heilung auf den Heilungsprozess fange ich an der Stelle gar nicht erst an, das wäre einen eigenen Artikel wert.

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: sei es Schulmedizin oder schamanisches Trommeln- es handelt sich um Glaubenssysteme innerhalb des Traumes, den Bewusstsein träumt. Und, wie Jed McKenna so schön sagt: No believe ist true.

Und damit meint er (und ich auch): ALLES.

Alles innerhalb von Bewusstsein ist Glaube, ergo nicht wahr. Zum Beispiel weiß ich nicht, ob es einen Jed McKenna gibt, geschweige denn, was oder wer genau das sein soll- und überdies stellen sich mir diese Frage einfach nicht mehr. No believe is true.


Was ist also wahr? Was kann man wirklich mit 100%iger Sicherheit wissen?

Oder etwas davor angefangen: Was genau ist mit Wahrheit eigentlich gemeint?

Der Satz: 'Es gibt keine absolute Wahrheit.' ist logisch falsch. Denn wäre er wahr, würde er sich selbst inhaltlich widersprechen.

Daraus folgt: Es gibt eine absolute Wahrheit.

Das ist die gute Nachricht.

Absolut im Sinne von total und ausschließlich bedeutet aber auch: es kann definitiv nur eine geben- keine zwei wirklich wahren Wahrheiten.

Und, Überraschung: das einzige was jeder wirklich wissen kann ist:

Bewusstsein ist.

Das ist.

Manche sagen auch 'Ich bin.'

Das Problem mit letzterer Formulierung ist aus meiner Sicht, dass die meisten mit dem Wort 'ich' ihre ureigene Selbst/Ego-Struktur, ihre sogenannte Individualität meinen. Das ist aber mit der Feststellung 'ich bin' eben gerade nicht gemeint.

'Ich bin' in dem Zusammenhang ist eher die sich selbst bestätigende Erfahrung, dass da etwas ist, was sich aller möglichen Dinge bewusst ist. Zum Beispiel kann sich diese formlose Etwas einer- gefühlt- äußerst konkreten Erscheinungsform eines body/mind-Sets bewusst sein- also dem, was wir landläufig mit 'ich' meinen. Eine simple Faustregel dazu: Alles, dem 'Du' dir bewusst sein kannst, bist genau nicht DU (DU im Sinne von Bewusstsein). Das ist aber nur ein erster Schritt.

Wenn erfolgreich viele viele Dinge als 'nicht-ich' ausgeschlossen werden konnten und pures Bewusstsein übrig bleibt, geschieht- vielleicht- etwas wundervolles: Das Ego/Selbst ist durchschaut und fällt weg. Daraufhin ist nichts mehr im Weg zwischen dem, was Du wirklich bist (Bewusstsein) und dem, was innerhalb dessen sich ereignet- das Leben selbst. Vollkontakt mit dem Leben ist hergestellt und die letzte Dichotomie- nämlich Bewusstsein vs. Bewusstseinsinhalte fällt weg.

Dann schmilzt zusammen was nie getrennt war.

Dann ist die Illusion, ein abgetrenntes Individuum in einer unberechenbaren Welt zu sein, am Ende ihrer Kraft angelangt.

Diese Einsicht, diese Art zu leben ist etwas, was ich einerseits jedem von Herzen wünsche- andererseits weiß ich nicht mal, ob das wirklich wünschenswert ist (von der Problematik wer genau da wem was wünschen soll gar nicht zu reden).

Zum Beispiel könnte es das Ende der Welt bedeuten, wenn auf einmal alles Bewusstsein zu sich selbst erwachen würde. Das wäre zumindest im Rahmen der Entertainment-Theorie äußerst einleuchtend- denn dann wäre das ganze Versteckspiel, welches Bewusstsein mit sich selbst spielt vorbei.

Die ganzen großen und kleinen Dramen würden keinen Sinn mehr ergeben- auch jegliche Spannung, jedweder Witz und alles dazwischen wäre schlagartig weg. Sprich: Auf einmal würde da in Endlosschleife der Film mit den 10 Männern laufen... Zeit für einen neuen Traum, also...

Für einen 'selbst', als eines von zahllosen Augen von Bewusstsein, als eine der vielen bizarren Actionspielfiguren, mit denen Bewusstsein sich selbst erlebt, ist es natürlich eine große Erleichterung, wenn die Fehlidentifikation mit der Actionspielfigur- ja gar mit überhaupt irgendetwas- wegfällt. Insofern kann ich auch ganz kühn behaupten: Seine wahre Natur zu erkennen, ist das einzig Wahre. Nur, ob es das Richtige ist- das vermag niemand, auch nicht 'ich' zu sagen.... ;-)


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