Die üblichen Verdächtigen

Copyright: Columbia TriStar
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Es gibt auf dem Weg zum Erwachen mannigfaltige Möglichkeiten sich zu verirren. Der einfachste Trick von Maya ist natürlich, beim Großteil der Menschheit gar nicht erst Interesse am Erwachen aufkommen zu lassen, klar. Aber auch bei spirituell Interessierten gibt es noch jede Menge falsche Abzweigungen:

 

Der am weitesten verbreitete Irrtum ist, den ersten Schritt gar nicht erst gemacht zu haben, das aber zu glauben. Diesen und anverwandte Irrtümer beleuchte ich heute mal etwas näher und versuche hier&da Hinweise zu geben, wie mensch besser durchs Dickicht kommen kann.

 

 

 

Wie vermutlich bekannt ist, gehört aus meiner Sicht zum Erwachen als notwendige Voraussetzung dazu, zuvor einigermaßen erwachSen zu sein. Damit ist natürlich nicht das Erreichen eines bestimmten chronologischen Alters gemeint, sondern eines gewissen Grads an Reife. Um vollständig reifen zu können, muss der betreffende Anteil zunächst mal geheilt sein. Solange ungeheilte Verletzungen vorliegen ist weiteres Wachstum an dieser Stelle ausgeschlossen. Heißt also: Erst heilen, dann nachreifen, also erwachSen-- und wenn Erwachen geschehen soll erst dann, nach dem erwachSen den Kram in die Luft jagen! Was passiert, wenn mensch diese Reihenfolge nicht beherzigt, habe ich schon in etlichen Artikeln (u.a. hier) beschrieben.

 

Aus dem Umstand, dass nur sehr wenige Menschen halbwegs vollständig erwachSen sind resultieren oftmals sehr zerrissene, vermeintlich 'Erwachsene'. Jeder kennt das Phänomen- von sich und/oder von anderen. Eigentlich ist mensch sowas wie erwachsen- aber in bestimmten Situationen poppt auf einmal ein Anteil auf, der höchstens drei Jahre alt ist, zum Beispiel. Oder 6 oder 10- jedenfalls nicht erwachsen. Dann wird getrotzt, gemotzt, gerotzt. Wie ein Baby ''geplärrt''- mensch will auf den Arm- oder stößt alle von sich- oder macht alles im Wechsel usw.

 

Dabei sei betont: Natürlich gibt es auch erwachsene Trauer, Wut und Angst und die darf es auch geben- das meine ich nicht. Ich meine in dem Zusammenhang wirklich das, was in der Psychologie als Regression bezeichnet wird: wenn man von außen- oder innen- wirklich den Eindruck hat, es auf einmal mit nem kleinen Kind zu tun zu haben...

 

Noch schlimmer ist es natürlich, wenn maßgebliche Teile des 'Betriebssystems' (man könnte darunter auch sowas wie 'Persönlichkeit' oder eben halt den normalen Modus operandi verstehen) noch so jung, verletzt und unreif sind, dass also mehrheitlich da ein 'Kind' am Werke ist. Wem soll mensch dann vermitteln, dass da dringend was geheilt werden muss und zwar in Form von Selbst-Heilung (im doppelten Wortsinne!)? Wenn da kein oder kein ausreichend großer innerer Erwachsener anzutreffen ist, kriegt mensch keinen Fuß in die Tür.

 

Zugang verweigert- access denied- blinkt dann nur rot auf.

 

Mitunter gibt’s nen Pseudo-Zugang, der dann (Hallo Borderliner!) so aussieht, dass ich ungefragt vom 'Kind' als dessen 'Mutti' adoptiert werde. Das hilft aber selbstverständlich nicht wirklich, da ja dann ich als Statistin in die Re-Inszenierung der alten Verletzungsarie eingebunden werde, was wiederum völlig verunmöglicht, dass ich Hilfe zur Selbst-Hilfe anbringen kann. Denn die mir zugedachte (sic!) Rolle lautete ja: Sei meine Mutti, wisch mir den Arsch ab, trage weder Forderungen, noch Kritik an mich heran und hab mich lieb! Bei einem PC wäre das sowas wie ein schwerer Ausnahmefehler- dann geht nix mehr, außer Abbruch. Ist mir leider(?), zum Glück (?) schon ein paarmal passiert, weshalb ich es inzwischen tunlichst vermeide, solche Aufträge anzunehmen. Wie man vermeiden könnte, dass es in solchen Gemengelagen überhaupt dazu kommt, dass ich zum Teil des Problems gemacht werde, ließ sich bisher leider für mich nicht herausfinden. Daher bin ich aktuell auf dem Stand, dass zumindest ich solchen Menschen nicht weiterhelfen kann (und daher auch nicht will- 1. weil ich keine unsinnige Arbeit mag und 2. weil mich diese Art Ego-Drama unheimlich stark anödet). Ähnliches gilt für Narzissten. Ich habe keinerlei Idee, wie man jemand von seinem Narzissmus heilen kann, da für Heilung ein Mindestmaß an Aufrichtigkeit und Kritikfähigkeit nötig ist- also genau die Dinge, die jedem Narzissten völlig fehlen (Narzisst ist an dieser Stelle wirklich im klinisch-relevanten Sinn gemeint!).

 

 

 

Und dann gibt es auch noch jene, die glauben ganz hart an sich zu arbeiten, ganz doll (und oftmals auch schon lange) auf der Suche zu sein- die aber dabei ein, zwei oder mehr grundlegende Fehler machen. Solche Menschen haben oftmals solche Grundideen:

 

- „So eine spirituelle Suche dauert eben einfach sehr lange.“

 

→ das ist Bullshit vom Allerfeinsten. Es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb eine ernsthaft begonnene Suche, bei der also der erste Schritt gemacht wurde- womit der Entschluss felsenfest steht- länger als 3 Jahre dauern sollte. Wohlgemerkt, inklusive (!!!) erwachSen aka Heilung alter Wunden und Nachreifung der betreffenden Anteile!

 

 

 

-“Erwachen ist eine Gnade, die nur sehr wenigen zuteil wird.“

 

→ Das ist quasi-Bullshit. Ja, es erwachen nur wenige- und zwar auch deutlich weniger, als es Menschen inzwischen virulent von sich behaupten. Aber, nein, das liegt nicht an der Gnade bzw. Ungnade. Erwachen is kein Lottogewinn (Spontan-Erwachen, wie immer, außen vor lassend), sondern in aller Regel das Resultat einer harten, schmerzhaften, wild entschlossenen, rigorosen Wahrheitsfindung, die verlangt, sich und die gesamte Welt in Schutt&Asche zu legen. Die totale Selbst-Demontage, die radikalste Welt-Revolution die es überhaupt nur gibt. Deshalb erwachen nur so wenige! Weil es nur verdammt wenige gibt, die dazu überhaupt bereit sind. Diese Bereitschaft kommt in aller Regel durch extrem hohen Leidensdruck gepaart mit enormen Mut und Hartnäckigkeit zustande. Spitzfindig könnte man an dieser Stelle bemerken, dass dann zumindest die Bereitschaft, der Entschluss, der erste Schritt sowas wie 'Gnade' oder 'Fügung' ist. Ja gut, meinetwegen. Is aber mit Sicherheit nicht das, was gemeinhin mit dem Sprüchlein ausgesagt werden soll- und definitiv nicht das, was die üblichen verdächtigen Satsang-Konsumenten drunter verstehen.

 

 

 

- „Meine Verletzungen sind so schwerwiegend, dass sie gar nicht/nur im Lauf mehrerer Jahrzehnte/nur teilweise/... heilbar sind.“ Alternativ geht auch: „Für mein Problem wurde noch keine Therapie erfunden/gibt es niemand, der mir helfen könnte/...“ Was im Prinzip heißt: Mein Problem ist was gaaaaanz extrem besonderes- niemand hat so ein Problem wie ich. Da kann mensch auch ne bizarre Form von Besitzer-Stolz entwickeln und das passiert mitunter auch.

 

→ Bullshit, den ich schon zigmal gehört und durch effektive Unterstützung widerlegt habe! Bei mir sind im Lauf des letzten Jahres mindestens 5 Menschen angekommen, mit solchen Vorgeschichten: jahrzehntelange Suche, alles, was der Therapie-Markt hergibt ausprobiert. Dann sitzen sie vor mir und ich eröffne ihnen, dass sie jetzt 'schon wieder'/'noch einmal' durch den ganzen Vergangenheits-Salat durch müssen (ich verwende 'schon wieder' o.ä. dabei nicht selbst- das ist bloß, was verstanden wird). Die Freude darüber ist dann jedesmal riesig, is klar...

Und oft heißt es eben: Nochmal? Schon wieder? Wieso denn? Ich weiß doch wo's herkommt! Wieso denkst Du, dass wo ich doch schon alles probiert habe, Du da jetzt noch was dran machen könntest? Glaubst Du ich bin faul/dumm? (das liegt implizit als Befürchtung dann oft in der Luft, wird aber eher selten ausgesprochen..) Usw.

 

Ich kann nur sagen, es ist herrlich einfach (nur eben nicht leicht...): Solang Dich Deine Vergangenheit im Würgegriff hat, ist es nicht vorbei. Da kannste spirituell Bypassen, Deine Familie rauf&runter aufstellen, Mantren singen, Dich reinigend räuchern oder mit Froschgift bepinseln lassen, das Eneagramm durchdeklinieren oder in Schwitzhütten an den Rand des Kreislaufkollapses bringen, soviel Du willst- solang der Würgegriff da ist, hast Du die eigentliche Arbeit nicht gemacht. Punkt.

 

Umgekehrt ist es jedoch so: Sobald Du schnallst, was und wie die eigentliche Arbeit ist- dann geht’s ratz-fatz. Garantiert. Leuchtendes Beispiel aus meiner Praxis ist eine Dame, die ein halbes Jahrhundert mit fürchterlichen körperlichen und auch psychischen Beschwerden zu kämpfen hatte, furchtbare Kindheit inklusive und sich wenig bis keinen Reim drauf machen konnte, wie das alles mtieinander zusammenhängt und wie sie das los werden könnte. Sie kam zu mir und hatte durchaus schon gute Vorarbeiten geleistet- sie konnte zum Beispiel sehr gut&schnell in sich reinspüren, um Dinge auszuloten- aber der Überblick fehlte ihr und etwas 'Feintuning'. Sie kam also mit sowas wie einem 1000-teiligen 3D-Puzzle zu mir und bat um Hilfe. Dazu brauchte es bei ihr gerade mal 4 Sitzungen. Dann gab es ein Riesen-Heureka. Der 'Code' war geknackt, die Erkenntnisse sprudelten, die Befreiung geschah. Nach einem halben Jahrhundert ist sie endlich bei sich angekommen. Das war wunderschön mit zu erleben. Ob es bei ihr noch zu einem Erwachen kommen wird, wird sich zeigen. In ihrem Fall waren wir uns beide einig, dass jetzt, wo sie endlich bei sich- also ErwachSen ist und es 'wie frisch verliebt' sich anfühlte, sie das erstmal genießen und auskosten soll. Wenn's noch weitergehen soll, wird es das zu gegebener Zeit. Wenn nicht ist das auch völlig in Ordnung so.

 

Dazu muss ich aber betonen: Die Bereitschaft dieser Dame war umwerfend! Es gab keine Widerstände bei ihr, im oben beschriebenen Sinne. Ja, sie hatte lang gekämpft und (vergeblich) gesucht- aber daraus hat sie nicht einen Teil ihrer Identität gezogen. Genau das ist oftmals ein ernstes Problem. Wenn sich jemensch als fleißige Arbeitsbiene, als tapfere Kämpferin, als unverstandenes Opfer o.ä. sieht- nimm dem das mal weg- aber vergiss nicht, schnell in Deckung zu gehen! ;-)

 

Dabei ist die Logik ja bestechend simpel: Wenn Du kämpft is das gut&schön- nur halt nicht zielführend, wenn es eigentlich darum geht, in Frieden zu sein. Wenn Du wie blöde ackerst, 30 Jahre und mehr und immer noch die eiserne Kralle ums Herz hast- ganz vielleicht geht’s dann gar nicht um ackern, sondern vielleicht sollst Du was ganz anderes tun? Dich hingeben, zum Beispiel?

 

Anders ausgedrückt:

 

Wenn Dein eigentlicher Auftrag ist, den Scheiß-Keller zu entrümpeln- was machst Du dann 20 Jahre lang auffem Dachboden?! Und wieso wundert es Dich dann, dass der Dachboden zwar glänzt&strahlt, aber es aus dem Keller immer noch nach Verwesung stinkt? Makes no sense, sorry! Es sei denn eben: Du bzw. irgendwas (wichtiges, großes, eventuell auch unbewusstes- jedenfalls etwas sehr egolastiges) in Dir will gar nicht weiter kommen. Sekundärer Krankheitsgewinn, ick hör Dir trapsen!

 

 

 

Das sind dann oft auch so Kandidaten, die beispielsweise auf FB tagein, tagaus rumlamentieren, was jetzt nu wieder scheiße war, wer doch alles böse, fies und gemein ist, etc. Wenn Du jemand der so 'berufsmäßig' am Rumjammern ist unverschämterweise mit Hilfe, Tipps und Hinweisen 'belästigst' wird das meistens mit Aggression beantwortet. Was man sich denn einbilde, man habe ja keine Ahnung wie schlimm das alles sei, das sei ja sooo kompliziert, dafür gibt’s keine einfache Lösung, das hab ich doch alles schon gemacht blablubli.

 

Well- wie bereits gesagt: Hättest Du das gemacht, was ich versuche zu vermitteln- dann hättste das Problem nicht mehr. Simple as that! Es ist wirklich so einfach- von leicht war aber nicht die Rede! Und nein, auch Dein Leidensweg ist nichts besonderes- erzähl mir nix vom Krieg, bitte. Ich hab Lebensgeschichten gehört, da könnte man problemlos gleich mehrere Horror-Filmreihen oder Psycho-Thriller draus drehen und müsste nur Namen und Schauplätze abändern. (Und ich liebe gruselige, brutale Filme- daher kenn ich auch viele und übertreibe hiermit kein bisschen!) Einer davon Betroffenen konnte ich in nur 4 Sitzungen nachhaltig helfen. Bei anderen sind/waren es mehr- aber Land ist für alle in Sicht. Und niemand meiner Schützlinge macht dabei den Eindruck, die 3 Jahre-Maxime nicht einzuhalten. (3-Jahre-Maxime bedeutet: spätestens nach 3 Jahren endet die Zusammenarbeit mit mir automatisch- wer dann noch nicht erwacht oder wenigstens erwachSen ist, muss es ohne meine Hilfe weiter versuchen, weil ich dann offensichtlich nicht helfen kann.)

 

 

 

Zurück zu den Profi-Meckerern, die keine echten Hinweise wollen: Sie wollen einfach nur jammern. Was wollen sie dadurch erreichen? Das Übliche: Aufmerksamkeit, evtl. etwas Mitgefühl, ggf. auch wieder und wieder die Bestätigung, ja das ist ein ganz besonders komplizierter Fall von Schlimmheit, ja, da kann man wohl kaum was tun... Definitiv nicht wollen sie, dass das Problem wirklich weggeht. Denn was sollten sie denn dann tun? Wie dann noch Aufmerksamkeit&Mitgefühl generieren? Eben. (Größtenteils ist die hier beschriebene Selbst-Sabotage denjenigen aber nicht bewusst und ist daher nicht als Vorwurf zu verstehen, nur als Feststellung.)

 

Und was passiert, wenn sie 'frecherweise' Tipps und Hinweise bekommen und sich dadurch (wieder mal) unverstanden fühlen können? Tja, dann haben sie zwar, wie immer, keine Heilung, kein Glück gefunden (was sie insgeheim ja eh nicht wirklich glauben, finden zu können)- aber zumindest haben sie dann wieder mal 'Recht'. Sie sehen sich dann in ihrer Hypothese des unverstandenen, armen, vom Leben verarschten Menschleins bestätigt. Und es ist leider- Danke, Ego!- in der Tat so, dass die meisten Menschen eigentlich lieber Recht behalten wollen, als glücklich und frei zu sein. Denn solang sie Recht haben, mit ihren unguten Ideen über sich und die Welt, sind sie wenigstens in bekanntem und damit sicherem Terrain. Jemand der nie wahres Glück und echte Freiheit geschmeckt hat- so jemandem macht das nämlich, wenn wir mal ganz ehrlich sind, entsetzliche Angst! Die allermeisten Menschen würden das gar nicht verkraften- zumindest glauben sie das und dieser Glaube ist sehr stark und zumeist auch verdammt tief im Unterbewusstsein vergraben.

 

Außerdem hat sich in solchen Fällen in der Regel bereits vor einiger Zeit eine Kämpfer/Therapie-Profi/Berufs-Krank/whatever -Identität gebildet. Und es ist ja auch nachvollziehbar, dieses Klammern, wenn man sich das mal vorstellt: Du hast 10, 20, 30 Jahre herumgedoktert, teuer Geld in zig Seminare (Urschrei, Eneagramm, inneres Kind, Tantra und Gedöns) gesteckt und nun wird von Dir verlangt, dass Du Dir eingestehst, nicht ein Müh weit damit gekommen zu sein.

 

Das macht jedem normalen Menschen ein kognitives Dissonanz-Gewitter der Extraklasse im Kopp. Da ist das einfachste (und üblichste) den Arsch, der Dir gerade so eine unverfrorene Nachricht überbringt mit Schimpf&Schande vom Hof zu jagen. Trollen, soll sich der Wixxer! Was erlaube Strunz?! Eben! :-)

 

Dazu hätte ich jedoch noch ne andere, vielleicht bessere und mit Sicherheit zutreffendere Option anzubieten: Mach Dir doch einfach mal klar, dass locker 90% aller Therapeuten selbst höchstens Einäugige unter Blinden sind. Die können Dich maximal in die Einäugigkeit führen- niemals aber ins volle Sehen. Also gib doch lieber denen die 'Schuld' und erkenne den Wahrheitsgehalt meiner Botschaft, statt Dir weiter die Taschen voll zu lügen. Das sage ich nicht, weil mich ein paar Blut/Kotze/Eiter/Pipi/Kacka-Spritzer von Dir ernsthaft tangieren würden- nein- ich sage das Dir zu liebe! Denn solang Du nicht bereit bist, einzusehen, dass Du offensichtlich in all der Zeit nur Mumpitz veranstaltet hast, wird sich das auch nicht ändern! Dann wirst Du einfach nur weiter die Liegestühle auf Deiner persönlichen Titanic neu positionieren...

 

Ich sehe das auch bei meinen Auftraggebern. Denn darunter sind auch durchaus Psychiater&Psychologen, HP's, Coaches usw. also, 'Leute vom Fach'. Der Standard-Spruch der meisten dieser 'Fachleute' ist mir ggü. 'ja, ich weiß ja wo's herkommt!'. Meine Standard-Antwort darauf ist: Das nützt aber nix. Bzw. es reicht halt nicht aus.

 

Wenn nun aber 90% der Auftraggeber die vom Fach sind, bei mir ankommen und- offensichtlich!- davon ausgehen, es würde ausreichen zu wissen wo's herkommt- was machen die dann wohl mit ihren Klienten, hm? Genau! Rausfinden wo's herkommt und dann is gut... bzw. halt nicht gut- aber gut, so isses anscheinend.

 

 

 

Dazu kann ich nur sagen: Nein, Ihr Lieben. The map is not the territory! Es ist schon durchaus ganz gut, wenn man nen Plan vorliegen hat und sieht, wo in einem großen Haus die ganzen Kabel langlaufen und welches Kabel in welchem Stecker steckt. Klar. Aber die Stecker bleiben drin, solang Du nur vorm Lageplan hockst. Um die rauszuziehen wirst Du wohl oder übel Dich durchs Dunkel tasten müssen. Du wirst ertasten und erfühlen müssen. Den Weg vom Ende des (emotionalen-psycho) Kabels bis zum Anfang zurückfühlen müssen. Bis Du beim Scheiß-Stecker angekommen bist und den rausziehen (und ggf. am richtigen Platz wieder einstecken) kannst.

 

Wenn ich es geschafft habe, mich entgegen aller 'Lehrmeinungen' meiner 'Fachleute', die eigentlich in der Regel nur (schlecht) getarnte psychische Widerstände sind, soweit durchzuquatschen, dass ich den 'kleinen Bastard' der Ego abschaffen und erwachen will an die Strippe bekomme- dann kommt oft gleich das nächste Problem ums Eck. Der planende Verstand. Meist in Form der Frage: Ja aber wie? Ich brauche ne Technik! Nen Plan! Ne Strategie!

 

Nein- das denkt Denken nur und stellt damit gleich wieder die nächste Falle auf! Denken will wissen, wie durchfühlen geht. Das ist völlig absurd! Denken kann nicht fühlen! Denken kann nicht sehen! Nicht riechen, schmecken, hören etc. Denken denkt. Und fühlen fühlt. Fertig, aus.

 

Genau deshalb ist es auch wirklich sehr schwer, zu vermitteln, worum es dabei geht. Dieses Durchfühlen ist kaum zu verbalisieren- noch weniger in eine technisch-strategische Form zu pressen. Is ja nicht so, dass ich auf den Mund gefallen wäre oder mich nicht präzise ausdrücken könnte. Es liegt einfach in der Natur der Sache, dass sie sich, außer mit Metaphern, Bildern, Analogien u.ä. nicht wirklich beschreiben lässt.

Es geht hier ja nicht darum, zu erklären, wie mensch lernt eine Pirouette zu drehen oder nen Kuchen zu backen- das wäre ja pille-palle-einfach! Denn bei ner Pirouette oder auch nem Kuchen gibt’s ne Art 'best practice'. Nicht nur das Ziel ist klar- auch die Schritte, die dahin führen sind vorgegeben. Einen emotionalen Leichenkeller auf- bzw. leer räumen hingegen ist eher wie Detektiv-Arbeit. Diese wird in dem Film I heart Huckabees wunderbar portraitiert. Es gibt ein paar übliche Verdächtige- man könnte auch sagen Grundzutaten, die alte Wunden ausmachen und mit entsprechender Erfahrung kommt man da auch relativ schnell dahinter. Aber zusätzlich gibt es eben auch bei jedem Fall ganz einzigartige Komponenten. Insofern gleicht kein Knoten einem anderen und jede Seelenlandschaft muss neu erkundet werden. Ein Detektiv würde ja auch nicht die neue Leiche am Fundort des neulich abgeschlossenen Falls suchen, right?

 

Ich versuch es daher mal wieder zu umschreiben, was ich mit 'Durchfühlen' meine:

 

Du wirst getriggert- da kannst Du (kurz!) den Verstand gebrauchen, um jedwede Reaktion zu stoppen und Dich irgendwohin zurückzuziehen und ggf. (innerlich) an nem Stuhl festzubinden. Dann geht evtl. Dein Kopfkino erst recht los- Du führst Streitgespräche im Kopf weiter oder bemitleidest Dich oder was immer da halt für ein Triggergewitter grad abläuft. Versuch das auch zu stoppen bzw. Deinen Fokus von da weg zu kriegen. Und dann: Spür nach! Was ist da verletzt worden? Was wurde da getroffen? In der Regel sind das ganz junge, kindliche Anteile. Die debattieren nicht- das is nur ne kaschierende pseudo-erwachsene Strategie, die das kleine, unreife überdeckt. Also die Strategie abschalten und das, was da drunter liegt fühlen- dem Raum geben und ne Stimme. (Also Wechsel von der Horizontalen in die Verikale, vgl. auch meine Videos zur Dramapyramide) Und da ggf. mal reinfragen, woran Dich das erinnert. Wann Du Dich schonmal und/oder auch zum ersten Mal so gefühlt hast.

 

Es kann sein, dass es daraufhin Bilder hagelt, und Gefühle und Erinnerungen- manchmal sind's auch nur Splitter- ein Kloß im Hals und dann Tränen- ohne Geschichte. Manchmal ist es auch mehr oder anders. Du weißt, Du machst es 'richtig' wenn diese Dinge nicht nur auftauchen, intensiver werden und wieder abschwellen- sondern wenn sie sich am Ende auflösen- irgendwie/irgendwo aus Dir rausgehen, verschwinden. Das passiert teilweise auch mit sehr deutliche körperlichen Begleiterscheinugen (Stoßseufzer, Zucken, Schmerzen, Gähnattacken, Weinen, Würgen, Erbrechen, Durchfall, Herzrasen- alles mögliche). Mitunter geschieht dabei auch die Bergung (und Auflösung) eines Glaubenssatzes ('ich bin es nicht wert', 'niemand liebt mich',...) Der Unterschied ist, sofern man beides (auf- und abtauchen, sowie auflösen) erlebt hat deutlich. Kannst Du damit jetzt beim Lesen gar nix anfangen, hast Du mit großer Wahrscheinlichkeit eins von beiden (und dann vermutlich eher die Auflösung) noch nie erlebt. Wenn sich etwas auflöst ist dabei ein Gefühl der Erleichterung. Mensch spürt, dass sie dabei wirklich etwas los wird. Oft sagen mir Menschen dann auch Sachen wie: Und dann war es weg. Oder: Dann ist es gegangen.

Wenn (noch) keine Auflösung stattfindet heißt es oft eher was in Richtung: Und dann hat es WIEDER aufgehört. Was wieder aufhört, kann auch wieder anfangen... Und, nein, das ist tatsächlich keine Haarspalterei- ich seh das ständig. Gerade weil im Gespräch die Worte natürlich meistens nicht bewusst und sorgfältig gewählt werden, sagen sie unbewusst verdammt präzise genau das aus, worum es geht. Das ist nur oft dem Sprecher überhaupt nicht klar- wird es aber zumeist, sobald ich darauf hinweise...

 

 

 

Kurzum: Heilung und damit zusammenhängend Reifung, also ErwachSen- und ggf. daran angeschlossenes Erwachen- steht und fällt mit der vorbehaltlosen Bereitschaft zu fühlen. Ohne wenn und aber. Und fühlen geht, indem, man es sich erlaubt- oder sich traut. Und wenn da Denken reingrätscht -oder irgendwas anderes- dann heißt das 'einfach nur' dass es da starke Widerstände gibt. Und Widerstände haben in aller Regel was mit Angst zu tun. Angst die Identität, die Anhaftung zu verlieren/loszulassen, Angst zu fühlen, Angst davor Angst (u.a. schlimme Gefühle) zu fühlen, oder der Irrglaube nicht fühlen zu können oder der Irrglaube, zu fühlen würde ja eh nix bringen oder- wie bereits gesagt, quasi die Königin aller Irrtümer: Zu Glauben, das schon längst zu tun, zu glauben, schon lääängst ganz dolle sehr auf dem Weg zu sein. Nein, sorry, biste nicht. Wenn Du länger als drei Jahre suchst, und nicht gefunden hast, versichere ich Dir an dieser Stelle feierlich, dann hast Du den ersten Schritt nicht gemacht. Dann denkst Du nur, dass Du auf dem Weg bist. Dann bildest Du Dir ein, mitten auf einer Weltreise zu sein, obwohl Du de facto bloß mit dem Zeigefinger über den Globus streichst, schön gemütlich, daheim auffer Couch.

Einzige Ausnahme von dieser vermutlich niederschmetternden, aber hoffentlich heilsamen schlechten Nachricht: Die Lokomotiven. Lokomotiven zuckeln mitunter auch mehr als 10 Jahre auf ihr Ziel zu. Die kann man aber für die hier beschriebene Problematik getrost ausklammern- Lokomotiven hams nämlich nicht eilig, sorgen sich nicht, leiden nicht großartig- die meisten würden vermutlich nichtmal ernsthaft 'hier' schreien, wenn jemand fragt, ob sie Suchende sind. Die glauben auch generell gar nicht, Hilfe nötig zu haben- und sie haben ehrlich gesagt auch nur sehr, sehr wenig Hilfe nötig, wenn überhaupt. Und wenn sie die brauchen, sagense eh Bescheid, ganz ohne vor-und- zurück-Geruder, Widerstände und Gedöns. Lokomotiven laufen auch nicht Gefahr, sich ne Problem-Identität zuzulegen- sie sind nahezu vollständig immun gegen Probleme, Sorgen&Nöte.

 

 

 

So, nachdem Du mir bis hierhin gefolgt bist und vielleicht schon ahnst, wo Du stehst- oder auch nicht, lade ich Dich dazu ein, Dir mal ganz ehrlich, Hand aufs Herz, die Frage zu beantworten: Hast Du den ersten Schritt gemacht? Bist Du wirklich ernsthaft auf dem Weg oder glaubst Du das bloß, hm?

 

Wenn nein- nimm es an. Gesteh es Dir ein und scheiß einfach drauf. Auf die Sucherei, auf Satsang, Retreats, Online-Kongresse&Co und leb verdammt nochmal Dein Leben. Und mach das gut, Du hast nämlich nur das eine und das ist verdammt kurz!

 

Wenn ja, wünsch ich Dir nen fröhlichen Höllenritt- genieße es, es ist der letzte Deines Lebens- und er wird in spätestens drei Jahren vorbei sein. Ist er es nicht, hast Du Dich wohl bei Deiner Antwort getäuscht. ;-)

 

Wenn Du ein wenig Gesellschaft für unterwegs brauchst, meld Dich gern bei mir fürs Scouting an oder komm mal zu einem meiner Workshops. So oder so: Wenn Du wirklich den ersten Schritt gemacht hast, ist es ohnehin um Dich geschehen...

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Jules (Freitag, 19 Mai 2017 12:43)

    Ja, da sprichst du viele Punkte an, die mir bekannt vorkommen. Am Wegesrand finden sich etliche verwirrende Hinweisschilder, die einen energisch in die falsche Richtung schicken möchten, und Ego hat Angst oder möchte es sich lieber im nächsten (falschen) Blumenbeet bequem machen ...
    Aber wenn dann Durchfühlen passiert, ist das so unglaublich schön und energetisierend, und so wunderbar geheimnisvoll und magisch! Bei mir ist das in den letzten Tagen geschehen, während ich Yoga Nidra praktiziert habe. Ich muss ehrlich sagen, dass ich Yoga Nidra als gute Entspannungstechnik vor allem bei Schlafmangel genutzt habe, aber es als spirituelle Technik eher für Humbug gehalten habe - weit gefehlt! Im Laufe mehrerer Tage habe ich angefangen, mein Solar Plexus- und Herzchakra deutlicher zu spüren, und dann passierten mehrere "Gefühlsreisen", wie ich das für mich nenne, in denen sich viele Körpererinnerungen, teilweise auch Bilder, gezeigt haben, auch innere Kinder. Das Tolle an Yoga Nidra ist, dass der Verstand effektiv auf den Rücksitz verbannt wird und man in einen Zustand zwischen wachen und Schlafen kommt, in dem die Intuition das Steuer übernimmt. Und es ist toll, wenn man dieses "Durchfühlen" vorher nur aus Beschreibungen kannte, diese Erfahrung machen zu können und Zuversicht zu haben, dass solche Zustände zugänglich und möglich sind. Das war vorher für mich - trotz deiner lebhaften Beschreibungen - halt nur graue Theorie, weil ich es nicht selbst erlebt habe.

  • #2

    Egobuster (Freitag, 19 Mai 2017 17:06)

    Hi Jules!

    Danke für Dein Feedback!
    Das ist immer wieder faszinierend, wie die selbe Sache zu unterschiedlichen Zeiten ganz unterschiedlich gesehn/genutzt wird. (Für mich war zB Yoga im Allgemeinen ewig lang einfach 'nur' ein tip-top Warm-up vor Tanzvorstellungen...).
    Was jetzt Yoga Nidra als Portal/Zugang für Dich ist, war bei mir Meditation. Und ja, in der 'Emo-Phase' wie ich das nenne waren Chakren auch mitunter sehr präsent bei mir.
    Wg Beschreibung und Erfahrung: Das freut mich sehr! Für Dich, dass Du jetzt die Erfahrung machen konntest und da sicherlich noch einiges passieren wird- und für mich, dass die Beschreibung dann wohl doch ganz gut ran kommt ans Beschriebene. :-)
    Bei mir war das eher umgekehrt. Meistens hab ich erst nach der Erfahrung ne passende Beschreibung irgendwo gefunden- teilweise aber auch in bereits gelesenen Büchern, höhö... Ist irre, wie selektiv die Wahrnehmung mitunter geschieht.
    Alles Liebe Dir!

  • #3

    Silke (Samstag, 20 Mai 2017 12:58)

    Liebe Verena,

    wieder ein toller und so hilfreicher Artikel von Dir!
    Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße, Silke

  • #4

    Silke (Samstag, 20 Mai 2017 13:36)

    ... Deine Texte und Videos sind, so sehe ich es, so wertvolle und großartige Hilfestellung und Wegweiser für diejenigen, die den Mut haben, genau hinzuschauen...
    Bei jedem mal lesen und wiederholtem lesen verstehe ich ein Stückchen tiefer, was ich vielleicht zuvor noch nicht verstanden habe..
    so fühlt es sich für mich an..

    Einfach Danke für Deine großartige Arbeit, die Du damit leistest...

    Silke

  • #5

    Egobuster (Samstag, 20 Mai 2017 16:54)

    Liebe Silke!

    herzlichen Dank für das schöne Feedback!
    Und: Alles Gute für Deinen Weg!
    <3