Die Sache mit dem freien Willen- Eine Betrachtung in 4 Akten

 

Vorspiel

 

Das Thema Willensfreiheit wurde und wird von verschiedenen Disziplinen im Lauf der Zeit immer wieder hitzig diskutiert. Es ist ein Dauerbrenner in der Philosophie und Psychologie. Religionen sind ebenso daran interessiert, wie staatliche Apparate (u.a. die Judikative). Seit Ende der 70er Jahre befasst sich auch die Neurowissenschaft damit- und natürlich ist das auch für Spirituelle und 'ganz normale' Menschen eine spannende Frage. Das Thema ist äußerst vielschichtig und eigentlich wert, darüber ein ganzes Buch zu schreiben. Dafür habe ich aber nicht die Zeit und auch nicht den Willen (höhö)- also muss es eben ein Blogartikel tun.

 

Der 'rote Faden' an dem ich mich entlang hangeln werde, sieht dabei in etwa so aus, wie der Weg des Ringes im Zen- also ein Zenkreis. Der Zenkreis hier ist aber ein besonderer, denn außen um ihn herum verlaufen 4 Stationen. Diese 4 Stationen werden die 4 Akte unseres Spektakels hier markieren. Ich starte bei der 'üblichen', subjektiven Ego-Sicht des Menschen. Also bei der so wahrgenommenen Willensfreiheit. Von dort geht es zum intellektuellen Verständnis, das es keine Willensfreiheit gibt. Dann kommt ein Paradigmenwechsel ins Spirituelle- die Erkenntnis, dass es nicht mal ein 'ich' gibt. Und zuletzt folgt die integrierte Sichtweise, um die Verwirrung perfekt zu machen. ;-)

 

 

 

 

 

  1. Akt: Hat der Mensch einen freien Willen?

 

Was möchtest Du trinken?

Willst Du noch ein Eis?

Was möchtest Du später mal werden?

Willst Du mich heiraten?

Aus der stinknormalen Ego-Sicht kann Mensch frei entscheiden was er will. Und wenn ein Mensch gegen seinen Willen, also unter Zwang irgendwas tun oder auch nicht tun soll, gibt’s in aller Regel Probleme. Menschen arbeiten unter Zwang schlechter, Sabotage-Akte häufen sich. Aber auch psychische oder physische Reaktionen sind vermehrt zu beobachten. Und es gibt Hinweise darauf, dass das mitunter mit 'objektiven' Kriterien wenig bis gar nix zu tun hat, sondern es um den subjektiven Unterschied zwischen Freiwilligkeit oder eben Zwang geht.

Ein prominentes, wenn nicht ganz neues Beispiel: Als Ulrike Meinhof monatelang in Isolationshaft (auch die 'weiße Folter' genannt) war, zeigte sie sehr bald heftige Symptome, wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit, aber auch schlecht durchblutete Hände und Füße usw. Im krassen Gegensatz dazu das Beispieleiner buddhistischen Nonne, seit über  45 Jahren (!!!) in selbstgewählter Isolation, allein in einer Hütte verbringt, diese in all den Jahren nie verließ, sondern ihr Essen wortlos, ohne Blickkontakt o.a. hereingereicht bekam. Bei ihr keine Zeichen von psychischer und physischer Zerrüttung (Schau es Dir selbst an, hier).

Der entscheidende Unterschied. im Kontext dieses Artikels. ist die Freiwilligkeit im einen und der Zwang im anderen Beispiel. Unabhängig von der Frage, ob es einen freien Willen gibt, kann man also an der Stelle schon mal festhalten, dass subjektiv wahrgenommene 'Freiwillligkeit' einen erheblichen Unterschied macht. Ebenso unstrittig ist damit auch das subjektive Empfinden von Willensfreiheit- denn das braucht es, um den angesprochenen Unterschied überhaupt wirksam werden zu lassen.

Noch basaler und deutlicher sind Forschungsergebnisse zum Thema 'erlernte Hilflosigkeit'- Organismen gehen buchstäblich kaputt, wenn sie gefühlt eh nix machen können. Entsprechende, schreckliche Experimente zeigen, dass man damit selbst Hunde depressiv machen kann, wenn sie lernen, dass egal, was sie tun, sie nichts damit erreichen können (z.B. indem man völlig willkürlich den Boden ihres Laborkäfigs unter Strom setzt). Sprich: Wenn ihnen jedwede Empfindung von Selbstwirksamkeit ausgetrieben wird.

 

Halten wir also fest: Unabhängig davon, ob es einen freien Willen nun 'gibt' oder auch nicht- zumindest die Illusion eines solchen scheint (über)lebenswichtig zu sein. Jedenfalls für sogenannte 'höhere Lebewesen'.

 

Denn, da gibt es ja z.B. auch den Fadenwurm. Der Fadenwurm ist ein ganz klassisches Beispiel für einen vollständig determinierten Organismus. Das heißt, er ist genetisch komplett vorherbestimmt. Das heißt ebenfalls: Er lernt nix. Kann er auch nicht, weil sein Leben, wie bereits gesagt, vollständig durch seine Gene vorherbestimmt ist. Dem ist die Umwelt scheiß egal, dem Fadenwurm. Selbst dann, wenn es ihn interessieren sollte oder müsste- er kann nix von ihr lernen und wird es auch nicht. Gibt sein Bauplan einfach nicht her.

 

Ist der Mensch ein Fadenwurm? Völlig genetisch (oder sonstwie) determiniert? Nein, natürlich nicht. Sir Michael Rutter hat ein sehr gutes, etwas kompliziertes, aber durchaus auch für Laien lesbares Buch namens 'Genes&Behavior' geschrieben. Dort erklärt er sämtliche Wirkmechanismen von Genen und auch die Möglichkeiten für dynamische Wechselwirkungen von Genen und Umwelt- sowohl auf Mikro-als auch Makroebene. Das heißt es gibt Gen/Umwelt-Interaktionen sowohl auf kleiner, zellulärer Ebene, wo dann eben die Umwelt der DNA das Zellmilieu ist, als auch auf der großen Skala, wo Umwelt das meint, was wir im Allgemeinen drunter verstehen. Also Erziehung, aber auch Einflüsse von Toxinen in der Luft etc. Ich will hier jetzt aber nicht allzu sehr mit Einzelheiten über Verhaltensgenetik langweilen und komme stattdessen zu den beiden Kernaussagen des Buches:

 

  1. Die Einflüsse von Genen und Umwelt auf das Verhalten des Menschen sind insgesamt betrachtet jeweils etwa 50 Prozent.

  2. Durch die äußerst komplexen, dynamischen Interaktionen zwischen Umwelteinflüssen und Genen muss davon ausgegangen werden, dass der Mensch nicht simpel determiniert ist, wie der Fadenwurm, sondern dass er probabilistisch 'funktioniert'.

 

 

 

Man kann sich das auch im Umkehrschluss leicht verdeutlichen (leichter zumindest, als sich das Buch von Herrn Rutter reinzuziehen): Wäre der Mensch zu 100% determiniert, wäre sein Verhalten auch zu 100% vorhersehbar. Und wäre dem so, wäre es absolut kein Problem zweifelsfrei zu beurteilen, ob ein Krimineller vorzeitig entlassen werden kann, ohne wieder straffällig zu werden. Es wäre auch viel einfacher, das Rückfallrisiko von Alkoholikern oder das Selbstmordrisiko von Depressiven oder die Berufschancen von Schulabgänger xy vorherzusagen- oder egal was! Es wäre kinderleicht. Isses aber offensichtlich nicht! Und nein, das liegt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht daran, dass die Methoden zur Vorhersage noch nicht ausgereift genug sind oder die ganzen Experten einfach nix drauf haben oder so. Es liegt an der probabilistischen und damit nicht fehlerfrei vorhersagbaren Natur des Menschen. Man könnte auch einfacher sagen: Es gibt zu viele Variablen, die zu viel zufällige Einflüsse haben können. Alles Faktoren, die im Leben eines Fadenwurms keinerlei Rolle spielen.

 

Ich stelle also fest: nein, der Mensch ist nicht determiniert. Aber heißt das im Umkehrschluss, er habe einen freien Willen?

 

Nein. Auch das wäre zu einfach. Denn es gibt weitaus mehr Möglichkeiten, als nur die Wahl zwischen freiem Willen vs. Determiniertheit.

 

Dazu schauen wir uns mal folgende Möglichkeiten anhand des Libet-Experiments und zwei seiner Nachfolge-Studien an:

 

 

 

a) das klassische Libet-Experiment: Aus 'ich tue was ich will' wird 'ich will was ich tue'

 

1979 machte Benjamin Libet ein bahnbrechendes Experiment. Er ließ Elektroden am Kopf von Probanden befestigen und bat sie, auf eine Art Stoppuhr zu schauen. Sie sollten sich anhand des Stands des Zeigers auf jener Uhr merken, wann sie die bewusste Entscheidung treffen, den Finger zu heben. Die Ergebnisse zeigten, dass ca 500 ms VOR ihrer bewussten Entscheidung im motorischen Kortex bereits elektrische Aktivität, das sogenannte Bereitschaftspotential gemessen wurde (via Elektroden am Kopf). Sprich: Der Bereich im Gehirn, der den Finger bewegt, begann die Aktion schon vorzubereiten, bevor der bewusste Entschluss dazu da war. So wurde auf einen Schlag aus 'Ich tue, was ich will.' ' Ich will, was ich gleich tun werde.'

Dieser Befund war und ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Anhänger des Determinismus. Der Mensch ein Roboter? Ein reiner TriggerAutomat? Die Freiheit des Willens eine reine Illusion? Was soll man jetzt mit Straftätern machen, wenn die alle erst im Nachhinein dachten sie wollten, was sie machten, aber das Machen an sich ganz woanders herkam? Natürlich wurde weiter geforscht. Von Libet selbst kam der Vorschlag, dass man eventuell die Möglichkeit habe, den unbewusst gestarteten Handlungsimpuls bewusst willentlich zu stoppen- darauf komme ich bei c) noch zurück. Aber zunächst mal gäbe es ja auch Einwände an dem Experiment als solchem. Die Existenz eines Bereitschaftspotentials um motorische Aktivitäten zu bahnen, also vorzubereiten könnte ja ein spezielles Feature des Bewegungsapparates sein. Vielleicht verhält es sich ja bei anderen Entscheidungsarten anders? Das wurde natürlich untersucht...

 

 

 

 

 

b) Libet-Revisited: Aus 'Ich will was ich tue.' wird 'Ich will denken was ich denke.'. (wtf!?)

Die Forschergruppe um John Dylan Haynes an der Berliner Charité hat vor ein paar Jahren Experimente mit anderen Aufgaben und auch Messmethoden, aber zur selben Frage wie Libet durchgeführt. Sie gaben den Probanden Rechenaufgaben und maßen die Hirnaktivitäten im fMRT-Scanner. Dabei fanden sie- was jedoch auch ein Stück weit der Messmethode geschuldet ist- Latenzen von mehreren Sekunden, nicht ms! Also Voraktivationen 4-5 Sekunden vor der bewussten Entscheidung, Rechenoperation x oder y zu vollziehen. 2:0 Für die Determiniertheit und gegen die Willensfreiheit, also. An dieser Stelle eine kleine Anekdote zur Auflockerung: Ich hab an der HU Psychologie studiert und war dort im Hauptstudium im neurowissenschaftlichen Schwerpunkt. Im Zuge dessen hab ich JD Haynes in einer Vorlesung gesehen und ihn auch an der Charité kennen gelernt, als ich dort, während meiner Studienzeit bei einem Forschungsprojekt mitgearbeitet habe. Jedenfalls in der Vorlesung bei der er aufkreuzte und seine diesbzgl Studienergebnisse vortrug, gab es natürlich auch ein Q&A am Ende seines Vortrags. Und ich hab ihn da- wie ich das auch sonst halt gerne mal mache- ziemlich kritisch hinterfragt. Einer meiner Punkte war der, dass man sich ja aber evtl. auch noch dagegen entscheiden könne, dem Handlungsimpuls aka der 'bewussten Entscheidung' nachzugehen. Das haben sie dann wohl auch ein kurze Zeit später untersucht...

 

 

 

c) Libet re-revisited: Man kann zwar nicht wollen, was man will- aber man kann entscheiden, ob man tut, was man will.

 

Haynes und seine Gruppe zeigten 2016, dass man bereits (unbewusst) geplante und bewusst entschiedene Handlungen auch noch bis kurz vor Ausführung (200 ms) stoppen kann. Na, schau mal einer an. Es mag also sein, dass eine Wahl unbewusst getroffen wird- aber es scheint sowas wie eine Veto-Option zu geben.

 

 

 

Das passt wunderbar zu meiner Interpretation des berühmten Ausspruchs von Schopenhauer, der da sagte: „Man kann zwar tun, was man will- aber man kann nicht wollen, was man will.“

Schopi führte das weiter aus, woraus klar hervorgeht, dass er sehr wohl mit dem Satz meinte, dass der Mensch keinen freien Willen habe und ihn das daher milde stimmen würde in Bezug auf das Treiben seiner Artgenossen. Das ist insofern schade, weil der Satz, wenn man ihn sich mal genau anschaut, eigentlich eine andere Interpretation zulässt. Ja, klar- niemand kann sich frei dazu entscheiden die Farbe Blau lieber zu mögen, als die Farbe Rot. Selbiges gilt für Eissorten, Beziehungen, Berufswahl usw. So verstehe ich den Teil 'man kann nicht wollen, was man will'. Und das deckt sich mit den Studien von Libet&Co. Aber der erste Teil von Schopis Satz besagt ja man kann tun was man will- und nicht etwa, man muss tun, was man will. Und das deckt sich mit dem unter c) aufgeführten Studienergebnis- nicht jedoch mit den weiteren Ausführungen von Schopi himself und ebensowenig mit der Vorstellung, der Mensch sei zu 100% determiniert, die immer wieder gern von Neo-Advaita-Clowns und durchaus auch mal von Eso-Irren aller Arten propagiert wird. Sorry Leute, da müssta Euch wohl demnächst mal ne andere Ausrede dafür einfallen lassen, wenn Ihr Euch daneben benehmt.

Denn es gibt eben sowas wie Handlungs- bzw. Impulskontrolle. Kein Mensch kann was für seine Handlungsimpulse- aber er hat ein Veto-Recht.

Man muss nicht alles tun, was man will!

Aber: Wer entscheidet, wer kontrolliert das?

 

 

 

 

                                                                            ~ ~ ~

 

 

 

  1. Akt: Gibt es ein stabiles Selbst?

 

Wer den Text bis hierher nicht nur konsumiert, sondern auch drüber nachgedacht hat, könnte nun verschiedene Einwände haben. Zum Beispiel den, woher denn die Entscheidung zur Impulskontrolle wiederum kommt. Ist das nicht das selbe? Fällt die Entscheidung, sich ein Eis zu kaufen nicht ebenso unbewusst, wie die Entscheidung 5 Meter vorm Eisladen kehrt zu machen? Und wenn man feststellt, dass man zum Beispiel durch die Gesellschaft (Umwelt) in der man aufwuchs ein rassistisches Vorurteil in sich trägt- entscheidet man frei darüber, was man mit dem Vorurteil macht? Oder ist es nicht vielmehr so, dass weitere Konditionierungen darüber entscheiden, ob man das Vorurteil stolz Gassi führt und sich der örtlichen Neo-Nazi-Gruppe anschließt oder ob man es kontrolliert und zur noch besseren Kontrolle eventuell sogar der Antifa beitritt?

Tja, das ist natürlich ein Fass ohne Boden.

Denn so lässt es sich immer weiter fragen- ob der, von dem man die Konditionierung x abgekriegt hat, selbst ne freie Wahl oder nicht hatte, diese weiter zu geben usw. Das Problem lässt sich auf dieser Ebene nicht lösen, sondern nur weiter verkomplizieren. Auf dieser Ebene lässt sich meines Erachten lediglich festhalten: Der Mensch ist kein Fadenwurm.

Er ist lernfähig und was er lernt, verlernt oder auch nicht ist von extrem vielen komplexen Zusammenhängen abhängig. Es bleibt also dabei: Der Mensch ist ein probabilistisches Wesen und nicht determiniert, wie ein Fadenwurm, aber auch nicht völlig frei, wie ein 'Gott' oder so. Man kann auch sagen: Menschen sind konditioniert, jedoch nicht völlig unfrei in Bezug auf die Frage, wie sie sich selbst de-konditionieren oder auch neu-konditionieren. Menschen sind also grundsätzlich extrem flexibel. Diese Flexibilität kann man sich zu Nutze machen. Man kann also erkennen, dass in einem günstige, aber auch eher ungünstige Programme ablaufen und gegen die ungünstigen was unternehmen. Jede gute Verhaltenstherapie fußt darauf. Und jeder, der ein ungünstiges Programm in sich zu laufen hat, weiß, wie unfrei man sich fühlt, wenn das Programm abläuft. Jeder Suchtkranke, jeder Choleriker, aber auch jeder ängstliche oder gehemmte Mensch dürfte sowas kennen. Und auch der Unterschied im subjektiven Erleben, zwischen zum Beispiel einer Panikattacke und einem super tollen Orgasmus dürfte einleuchten. Manch Süchtiger spricht im Zusammenhang mit einem Rückfall davon, nicht mehr 'Herr seiner selbst' gewesen zu sein. Sicher hat fast schon jeder Mal in irgendeinem Zusammenhang von sich gesagt oder zumindest gedacht 'neben sich zu stehen', 'wie ausgewechselt' oder ein 'anderer Mensch' zu sein. Da stellt sich doch die berechtigte Frage: Wenn Du in unterschiedlichen Situationen 'dich' so unterschiedlich fühlst und ggf. auch verhältst- wer oder was bist dann DU?

 

Vor einigen Jahren veröffentlichte der Neurophilosoph Thomas Metzinger ein Buch mit dem Titel 'Der Ego-Tunnel'. Darin machte er die Kernaussage, dass das Ego ein Tunnel ist, durch den niemand hindurchfährt. Intellektuell konnte ich diese Aussage damals nur ganz vage verstehen. Das Buch war zwar sehr spannend und informativ, aber genau diesen hauptsächlichen Punkt, den hab ich nicht greifen können. Jedenfalls nicht mit dem Verstand. Inzwischen ist mir völlig klar, was er damit zum Ausdruck bringen wollte: Diese ganze Abfolge unterschiedlichster Stimmungen, Denk- und Verhaltensweisen in unterschiedlichsten Kontexten SIND das Ego. Aber da ist keiner da, der das Ego guckt. Und somit ist der freie Wille, den sich das Ego einbildet genau wie das Ego selbst reine Illusion. Ein Trugbild. Metzinger- und das ist das wirklich erstaunliche und beeindruckende an seinem Werk, kam zu dieser Einsicht durch seine philosophische Beschäftigung mit neurowissenschaftlichen Befunden. Ich gehe also davon aus, dass es eine rein intellektuelle Erkenntnis von ihm ist, keine gelebte Realität, kein spirituelles Erwachen.

Man kann sich also rein auf Verstandesebene schon klar machen, dass es, wenn es schon kein stabiles Ego oder auch Selbst gibt, diese Illusion logischerweise auch keinen freien Willen haben kann. Das ist für's erste schonmal nicht schlecht. Leider bleibt es bei den meisten Neo-Advaita-Satsang&Co-Fans aber auch dabei. Denn: Was kann es denn schöneres für ein Ego geben, als zu hören: Es gibt mich gar nicht, also hab ich keinen freien Willen, also kann ich nichts dafür, was ich tue und lasse, also hab ich auch keine Verantwortung!

Wenn man sich dann in irgendeinem Licht&Liebe-Eso-Satsang noch ne Kanne Lethargie in Form von 'Du musst nichts tun, es gibt nichts zu erreichen, Du bist schon erleuchtet!'-Geseier draufkippen lässt, ist die Falle perfekt. Ein sich erleuchtet wähnendes Ego ohne jedwede Eigenverantwortung ist geboren und jeder, der das als die Scheiße benennt, die sie auch zweifelsohne ist, wird mit dem Totschlagargument Nr. 1 dieser Leute konfrontiert: 'Wen meinst Du? Da ist niemand!' (Was man in solchen Fällen tun kann, hatte ich vor ner Weile hier beschrieben).

Dabei müsste bei ehrlicher Betrachtung solch einer Botschaft (es gibt kein Ich/Ego/Selbst und das hat daher auch keinen freien Willen) konsequenterweise der nächste Schritt folgen: ARBEIT.

Selbst-Erforschung.

Ich meine, wie kann man, so als Ego/Ich/Selbst denn sowas einfach glauben und schlucken? Da müssten sich doch Widerstände bemerkbar machen. Da müsste doch Denken anspringen und losrattern- und herausfordernde Fragen stellen?! Und die müssten an einem nagen, die Fragen. Und einem keine Ruhe mehr lassen, bis man es rausgekriegt hat, was das alles zu bedeuten hat! Außer eben, man ist leichtgläubig, unehrlich, faul, will einfach nur 'erleuchtet' rüber kommen- oder zwei oder mehrere dieser Dinge in Kombination. Maya ist mächtig und hat jede Menge Tricks auf Lager. Aber jemand, der sich ernsthaft auf die Suche macht, hat dem was entgegen zu setzen, behaupte ich.

Es beginnt und endet, mit dem ersten, echten Schritt. Mit dem committed man sich und das wird belohnt. Aber solang der erste (und letzte) Schritt nicht vollzogen ist, pennst Du weiter. Dabei ist es egal für wie

  • spirituell,
  • religiös oder
  • esoterisch Du Dich hältst.

Und es ist auch egal wie hoch Deine Schwingung ist oder von welchem Planeten Du stammst. Vertrau mir in dem Punkt, bitte. Einzig entscheidend ist, dass Du den ersten Schritt machst, mit dem Du sozusagen die unbedingte Bereitschaft signalisierst, Deine Welt in Schutt&Asche zu legen und Dich selbst gleich mit.

 

 

 

 

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  1. Akt: Was ist 'ich' ?

 

Der anfangs unumstößliche Glaube daran, ein frei handelndes Subjekt zu sein wurde bereits im ersten Akt wissenschaftlich erschüttert. Im 2. Akt kann ein intellektuelles Verständnis eingesickert sein, dass es Dich eventuell wirklich gar nicht gibt. Aber, da beißt die Maus kein Faden ab, wer ehrlich in sich reinhört und spürt, wird wieder und wieder merken: Moment mal- da ist aber dennoch dieses Gefühl, ein 'ich' zu sein. Und wenn ich hier auf die Tasten drücke, hab ich auch das Gefühl, dass ich das bin, die das macht und nicht niemand oder der kleine König Kallewirsch. Und genau da, bei den Widerständen, geht’s überhaupt erst richtig los. Glauben und Nachplappern kann nämlich- surprise!- jeder Depp. Um was selbst für sich klar zu kriegen, braucht es in der Regel Zweifel und Unglaube. Wer sowas in sich ausmachen kann, dem kann ich daher nur von Herzen gratulieren!

Ja, bitte zweifle! Beiß Dich dran fest und durch, durch die Materie. Lass nicht locker, bis es wirklich bei Dir Klick macht. Keine Sekunde früher! Sobald Du ein Ich-Gefühl entdeckst- geh dem auf den Grund! Wo sitzt es? Wie groß oder klein ist es? Wie sieht es aus? Wie fühlt es sich an? Geh Dein Ich jagen! Such es so oft und so lange, wie es nötig ist. Solange eben, bis die Ich-Illusion kollabiert.

Dabei ist es durchaus hilfreich, sich besonders hartnäckigen Konditionierungen zu widmen und denen gleich mit den Garaus zu machen. Und irgendwann macht es Klick, oder Bam oder was softeres und alles fällt auseinander. Du durchbrichst die Schallmauer dessen, was Du gerade noch für die Realität hieltst. Und dann sitzt kein Stein mehr auf dem anderen. Die andern Menschlein sehn auf einmal aus wie Playmobil-Figuren, von da oben. Du sitzt oder schwebst auf oder über dem Gipfel des Absoluten und alles was bisher echt erschien, ist nur Schein und Trug.

Es ist angenehm kühl da oben, frisch und nichts kann Dir was anhaben, alles ist bedeutungslos. Da hängen viele rum. Und viele hängen dort auch fest, weil sie meinen, das sei es nun. Und dann wird dort oben ein Sockel gebaut und man stellt sich selbst sozusagen als Gipfelkreuz obendrauf- und zack ist man schon wieder in der Falle. Das eigene Menschlein wird vernachlässigt und liegt brach. Und so, ohne Beaufsichtigung und Fürsorge, kann es gut sein, dass es anfängt so richtig die Sau raus zu lassen. Und das wird dann alles wegerklärt mit Advaita-Nonsense. Mich gibt’s ja nicht, kein Täter, alles determiniert, kein freier Wille blablub. Aber es geht ja noch weiter von da aus. Es ist schonmal ein guter Zwischenschritt es überhaupt bis dahin geschafft zu haben, völlig klar. Und ja, Moral oder auch der Glaube an den freien Willen des Egos können da sehr hinderlich sein und daher gern unterwegs als Bullshit erkannt und stehen gelassen werden.

Die Substanzlosigkeit von sich Selbst und der Welt zu erkennen ist auf ne Art gleichbedeutend mit Erwachen. Aber Erwachen ist ein Anfang, nicht etwa das Ende der Reise. Man erkennt, nicht das zu sein, wofür man sich bislang gehalten hat. Man erkennt, dass alles andere auch nicht das ist wofür man es bisher gehalten hat. Man erkennt, dass das alles Nichts ist. Aber das ist nicht alles, was es zu erkennen gibt. Wäre dem so, dann ja dann könnten wir es dabei belassen: Es gibt keinen freien Willen und es gibt auch niemand, der sowas haben könnte. Aber dem ist nicht so. Das ist nicht alles.

 

 

 

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  1. Akt: True Will

 

Die tiefgreifende Einsicht, dass alles Bewusstsein ist heißt ja nicht, dass alles, was sich in Bewusstsein befindet deshalb Nichts ist. Da ist ja etwas. Da sind ja Menschen, Tiere, Sensationen und alles mögliche andere- nicht wahr? Ebenso wäre es auch zu kurz gegriffen, aus der Einsicht, nicht das zu sein, was man dachte zu sein, den Schluss zu ziehen 'Nichts' zu sein. Ich für meinen Teil bin nicht einfach nur Nichts. Ich bin das, was wahrnimmt. Und das nimmt ne ganze Menge wahr. Und mit dem unendlichen Abstieg vom Berg, der immer, immer weiter geht wird es auch in immer mehr Facetten klar: Da ist keine Trennung zwischen dem was wahrnimmt und dem was wahrgenommen wird. Das ist Eins. Ich bin nicht mein Körper, Geist oder meine Fähigkeiten oder biographischen Eckdaten. Ich bin nichtmal ein Mensch. Ich bin der Schöpfer von dem ganzen Zirkus hier. Und der besteht aber auch nur aus mir. Und damit bin ich dann doch auch wieder Mensch. Und alles andere eben auch. Und eben auch nichts. Das klingt, ohne das so zu erleben natürlich völlig Gaga, is mir klar (wenn dich das anturnt, empfehle ich die Lektüre dieses Artikels von mir, hier). Kann man auch nicht beschreiben, muss man selbst erleben.

Aber, vielleicht erschließt sich die Logik auch auf Verstandesebene: Wenn ich erkannt habe, dass ich Schöpfung und Schöpfer bin und mal kurz nur auf den Schöpfer-Aspekt schaue- wie sieht's dann dort mit dem freien Willen aus? Rein der Logik halber ist doch davon auszugehen, dass der Schöpfer, also 'Gott', das Eine oder halt eben Bewusstsein ja sehr wohl nen eigenen, freien Willen haben sollte. Also ich meine- wer wenn nicht das oder der oder die sollte über sowas verfügen, hm? Und wenn Du Dir mal so die Schöpfung anschaust, dann dürfte das doch sonnenklar sein. Der Schöpfer, also ich- was auch Du bist, natürlich- der hat nicht nur nen freien Willen- der hat auch jede Menge echt abgefahrenen Humor. Ich meine, wenn man mal so guckt, was es für ultra-abgefahrene Lebewesen gibt und gab. Und was die zum Teil für mega-skurriles Zeugs veranstalten! Das ist nicht zynisch gemeint oder so- im Gegenteil! Schau Dir das doch bitte mal an, was so alles abgeht in der Welt. Das ist Dein Werk (und meins usw. natürlich)! Und die Schöpferin hat es sogar gebacken bekommen,Teile von sich selbst vergessen zu lassen, wer die eigentlich sind! How crazy is this? Das ist in Etwa so, als würde man sich auf seine Fingerspitzen kleine Gesichter malen und die miteinander agieren lassen und dann den Move hinkriegen, jedem Finger die Illusion eines Eigenlebens zu verpassen und ihn vergessen zu lassen, dass er nur ein Scheiß-Finger mit nem aufgemalten Gesicht ist! Und dann wird der Finger noch mit der Illusion ausgestattet einen freien Willen zu haben. Welch köstliches Spektakel. Dabei kann der Finger nur zwischen zwei Optionen wählen: Akzeptanz oder Widerstand. Ja oder Nein. Hingabe/Kooperation oder Protest/Opposition. Mehr nicht.

Nein, der Finger hat keinen freien Willen, der hat nur das bereits zu Beginn beschriebene Veto-Recht. Und das macht sein Dasein in aller Regel sehr mühselig. Das ist der kleine Wille vom Ego. Und der ist, wie ich ausgeführt habe sehr eingeschränkt, durch Konditionierungen, sowie die ausschließlich binäre Wahl-Option zwischen Ja und Nein. Aber wenn Du erwachst, dann begreifst Du, dass Du nicht nur der olle Finger bist, sondern das große Ganze. Und dann siehst Du die Welt mit anderen Augen. Dann siehst Du, wie sie wirklich funktioniert. Dann liest Du die Zeichen ganz anders- erkennst sie vielleicht überhaupt erst als Zeichen. Intuitive Eingebungen sind zum Beispiel solche Zeichen. Die verweisen auf das, was Aleister Crowley als 'true will' bezeichnet hat. Der wahre Wille- das ist der einzig freie Wille den es gibt. Und das ist der Wille vom großen Einen, was Du bist.

 

Crowley, der weitaus besser und klarsichtiger war, als sein Ruf vermuten lässt, schrieb dazu unter anderem:

 

True Will should spring, a fountain of Light, from within, and flow unchecked, seething with Love, into the Ocean of Life.“

 

 

 

Wenn Du als 'Finger' lernst, diesen wahren Willen zu erkennen und mit ihm zu kooperieren- dann bist Du wahrhaft frei. Frei von den Ego-Beschränkungen. Und frei vom Irrglaube, es gäbe keinen freien Willen. Du weißt dann, um diese Frage zu beantworten, muss der richtige Bezugsrahmen gewählt werden. Und Du weißt dann, es gibt einen Bezugsrahmen, wo die Frage nach dem freien Willen mit absoluter Sicherheit bejaht werden muss. Die Aufgabe, die sich dann für das restliche Finger-Dasein stellt ist es, diesem 'true will' zu dienen. Wenn das alle Finger tun, können sie gemeinsam auf der Klaviatur des Universums eine göttliche Symphonie spielen. Tun sie das nicht, ertönt eine Kakophonie des Grauens. Wo die Reise hingeht, kannst Du beeinflussen- machst Du Dich auf den Weg, koste es was es wolle- oder schläfst Du lieber weiter?

 

Möge Dein wahrer Wille geschehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 17
  • #1

    christian (Dienstag, 07 Februar 2017 19:22)

    klasse !!!!

  • #2

    Egobuster (Dienstag, 07 Februar 2017 23:17)

    Danke. :-)

  • #3

    Jundurg (Donnerstag, 09 Februar 2017 00:14)

    Moin.

    Ein Link hat mich hierherverschlagen und irgendwie kann ich es mir scheints doch nicht ganz verkneifen, ein paar Wörters hier stehenzulassen.

    Ich hab den ersten Teil eher überflogen. Die Frage nach dem freien Willen ist für mich weitgehend irrelevant, so wie sie hier gestellt wird - seitdem ich Kompatibilismus verstanden habe, sehe ich hier kein echtes Problem mehr.

    Die weitergehenden Fragen nach Selbst und Ego sind für mich dagegen spannender. Ich verstehe nur nicht, wieso nach den Abschnitten, in denen das Selbst und das Ego dekonstruiert wird (hier stimme ich großteils zu) plötzlich nochmal was anderes eingeführt wird, nämlich ein weiterer Pseudo-Wille, im Abschnitt 4. Auf mich wirkt das wie nur ein weiterer Versuch, den logischen Schlüssen zu entkommen, und sich einen "komfortablen" Glauben zurechtzuzimmern, der es erlaubt, sich doch noch irgendwie grandios frei und selbst-ig zu fühlen. Auch wenn es in Worte gekleidet wird, die eher mystisch daherkommen. Ich habe nichts gegen Mystik, aber ich glaube, dieser crowleysche freie Wille ist eine Scheinfreiheit, die zum Preis erkauft wird, sich an ein metaphysisches Glaubenssystem zu klammern. Ich sehe darin Reste von Theismus. "Möge dein wahrer Wille geschehen" ist letztlich auch nix anderes als "Gottes Wille geschehe", netter formuliert. Und mit diesem hierarchischen Denken von wegen "ich ordne mich einem höheren System unter, um 'frei' zu sein" habe ich ein Problem. Nicht, weil ich unbedingt auf "meinem" freien Willen beharren wollte. Im Gegenteil, ich sehe darin, Intuitionen als Manifestationen eines "höheren Willens" zu sehen, eine große Gefahr, die darin besteht, dass letztlich schlechtere Entscheidungen getroffen werden, nämlich solche auf Basis zufälliger Umstände, anstatt auf Basis von Evidenz, Verstand und Bewusstsein.

    Kurz, auf mich wirkt Akt 4 wie ein gewiefter Trick, die davor gemachten Warnungen zu möglichen Selbsttäuschungen in den Wind schlagen zu können...

  • #4

    Egobuster (Donnerstag, 09 Februar 2017 00:44)

    Hi Jundurg,

    vielen Dank für Dein Feedback!
    Ok, Du sagst, dass du nicht unbedingt auf Deinem freien Willen beharrst- worauf beharrst Du statt dessen?Mir deucht, auf irgendwas beharrst Du- nur ist mir nicht klar, worauf... ;-)
    Noch eine Frage an Dich: Hast du jemals die Erfahrung gemacht, dass Deine Intuition Dich zu schlechteren Entscheidungen geführt hat, als Dein Verstand?
    Und: Was genau ist Bewusstsein für Dich?
    Die Gefahr, die Du ansprichst besteht insofern, wenn man versucht direkt bei Schritt 4 einzusteigen und die andern Schritte überspringt. Man muss den Weg gehen, nicht in sich vorstellen, antizipieren, verstandesmäßig nachvollziehen o.ä.- man muss es tun. Denn nur dann kann die Einsicht, DAS/Bewusstsein/meinetwegen 'Gott' zu sein auf die Art einsickern. Also ja, ein Ego, was sich für Gott hält ist kreuzgefährlich- aber genau das meine ich nicht. Ein Verstand, der sich für Gott hält ist nebenbei bemerkt genau das selbe in grün.

    Insofern, Deinen letzten Satz nochmal aufgreifend: Nein, einfach so zu Punkt 4 hüpfen wäre missbräuchlicher Umgang mit dem, was ich versucht habe klar zu machen- also genau das Gegenteil dessen, worum es geht.
    Fun fact am Rande: ich hatte tatsächlich noch kurz überlegt, ob ich eingangs den Hinweis reinschreibe, dass dieser Artikel einer der wenigen von mir ist, der sich weniger an Suchende richtet, als vielmehr an Menschen, die sich irgendwo bei Station 3 aufhalten.

    Insofern vielen Dank für Deinen Impuls!
    Und auch vielen Dank für Deine umfassende Einlassung!
    :-)

  • #5

    Jundurg (Donnerstag, 09 Februar 2017 19:18)

    Moin.

    >>Hast du jemals die Erfahrung gemacht, dass Deine Intuition Dich zu schlechteren Entscheidungen geführt hat, als Dein Verstand?<<

    Ja, und ich habe daraus die Lehre gezogen, dass "Intuition" halt auch nix verlässliches ist, sondern einfach nur eine weitere Art von Denkprozess, der halt mehr unbeobachtet und unbewusst abläuft.
    Als Künstler verwende ich Intuition natürlich dennoch ständig - und würde sie nicht missen wollen. Aber wichtige Lebensentscheidungen möchte ich nicht mehr daran hängen.

    >>Und: Was genau ist Bewusstsein für Dich?<<
    Ich weiß es nicht. Physikalischer Reduktionismus überzeugt mich nicht, aber die anderen Modelle auch nicht. Auch dem Standpunkt von Einheitsbewusstsein, das irgendwie auf die Welt geklatscht ist (um es mal salopp auszudrücken), oder diese erzeugt, kann ich was abgewinnen, aber überzeugt bin ich davon genauso wenig. Insgesamt favorisiere ich für den Alltag momentan einen sehr "naiven" und unerleuchteten Zugang, der den Vorteil hat, praktikabel zu sein - und es ist nicht so, als gäbe es dort nicht genauso eine Unzahl an Baustellen, etwa "wie bringt man die Menschen dazu, sich nicht gegenseitig an die Gurgel zu gehen?" oder so.

    >>Ok, Du sagst, dass du nicht unbedingt auf Deinem freien Willen beharrst- worauf beharrst Du statt dessen?<<
    Hm, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. An der Stelle ging es mir darum, dass ich nicht *meinen* Willen durchsetzen muss (also um Ethik generell). Dass mein System sinnvolle und im kompatibilistischen Sinn freie Entscheidungen trifft, daran ist mir schon gelegen.

    >>Also ja, ein Ego, was sich für Gott hält ist kreuzgefährlich- aber genau das meine ich nicht. Ein Verstand, der sich für Gott hält ist nebenbei bemerkt genau das selbe in grün.<<
    Das sehe ich auch so und den Aspekt des Artikels finde ich sehr gut.

    Ich finde aber den im vierten Abschnitt postulierten wahren Willen einfach... unnötig. Wozu? Ist es der Wille einer metaphysischen oder abstrakten Entität, so stellt sich immer noch die Frage: Ist diese metaphysische Entität weise? Und damit wären wir wieder direkt bei ethischen Fragen, was "soll" ich tun, was braucht die Welt, oder auch: "Was möchte ich in der Welt sehen?" Ich glaube, man kann genausogut gleich dort ansetzen und sich die zusätzlichen Variablen an der Stelle sparen.

    Aber vielleicht ist der "true will" einfach eine andere Art, das auszudrücken. Immerhin ist in der Frage "was möchte ich in der Welt sehen" das Wort 'ich' eigentlich ein bisschen fragwürdig, zugegeben. Anstelle nach der Entität (ich/wir/es) könnte man aber nach der Methode fragen, mit der die Frage beantwortet werden soll... und da finde ich eben, Intuition ist nicht das Gelbe vom Ei, grade wenn es um Ethik geht; sie liegt zu oft krass daneben.

    Grüßle!

  • #6

    Egobuster (Donnerstag, 09 Februar 2017 23:11)

    Hi Jundurg!
    Ganz herzlichen Dank für Deine Antwort! sehr spannendes Gespräch!
    Bzgl Intuition: Ich kann Dir natürlich nicht Deine Erfahrung absprechen und vor einigen Jahren, hätte ich vielleicht auch mit Dir übereingestimmt, und Verstand als 'fehlerfreier' als Intuition gewertet. Mit nem konkreten Beispiel, wo Dich Deine Intuition getäuscht hat, wär das jetzt leichte, aber Du musst natürlich nicht soviel preisgeben (falls Du doch Lust dazu hast, sehr gerne!). Ich sehe das mittlerweile so: Intuition täuscht sich nicht. Aber der 'Empfang' kann von 'Störfrequenzen' (Angst, Konventionen, Gedanken, Ratio) überlagert sein. Und wenn man nicht genau 'hören' kann, was die einem sagen will, kann man natürlich Fehler machen. Lost in translation, sozusagen. Aber, wenn man den Intuitions-Kanal, um in dem Bild zu bleiben, frei hat (ist auch bei manchen 'Unerwachten' mitunter so- jedoch definitiv bei allen Erwachten)- wenn der Empfang also funzt, dann läuft das mit der Intuition und wirkt fast wie 'Magie' (was es keineswegs ist- das ist nichts 'übernatürliches', sondern eigentlich das normalste auf der Welt).
    Ich nehme daher an, dass Du entweder eben 'Empfangsschwierigkeiten' hattest, als diese Fehler passiert sind- oder aber- das wäre auch noch möglich, Du siehst was als Fehler an, was evtl aus ner größeren Perspektive betrachtet ein Riesengeschenk war. Natürlich gibt es auch noch eine 3. Möglichkeit, die da lautet: Ich irre mich. ;-) Ich kann nur vom jetzigen Stand aus sagen: Seit dem Erwachen hat mich die Intuition nicht ein einziges Mal getäuscht. Und da war zum Teil abenteuerlicher Kram dabei, was da so intuitiv an Vorschlägen und Eingebungen kam- bisher war es kein einziges Mal ein 'Fehler', diesen Impulsen zu folgen- aber ich kann die Möglichkeit natürlich nicht völlig ausschließen, bis ich auf dem Sterbebett liege. :-) Zu Intuition hatte ich nen Artikel geschrieben, hier der Link:
    https://egobuster.jimdo.com/2016/07/18/was-ist-eigentlich-intuition/
    Zu Bewusstsein: Zweifel sind immer super und meistens auch angebracht. Mein Tipp wäre: Such nicht nach was, was Dich überzeugt- überprüfe was, was einigermaßen plausibel klingt und finde heraus, ob es stimmt. Der Satz 'Alles ist Bewusstsein.' klingt ggf. nach Esoterik-Klimbim. Er ist aber eine überprüfbare Hypothese. Trifft er nicht zu, müsste sich etwas finden lassen, was sich außerhalb von Bewusstsein befindet. Ich weiß ja nicht wo Du wohnst usw.- aber mein Workshopformat 'Nonduality to go' widmet sich genau dieser Fragestellung- mit Experimenten und Übungen. Ist also ne sehr praktische und wenig theoretische Angelegenheit. Falls Dich das interessiert, schreib mir gern übers Kontaktformular- am 25./26.02. ist der nächste Termin und es gibt noch ein paar freie Plätze.
    Jetzt zum wirklich sehr spannenden Punkt mit dem 4. Abschnitt: Deine Einschätzung, das sei überflüssig und wieso ich das so postuliere finde ich sehr amüsant. Denn es ist vielmehr so, dass ich das so vorgefunden habe und davon berichte und mir nicht einfach was ausgedacht habe. Insofern ist das amüsante in etwa das: Ich fahre nach Thailand, Kho Tao und halte nach meiner Rückkehr nach Berlin einen Vortrag zu der Insel. Dabei berichte ich, dass es dort einen Felsen namens 'Buddha Rock' gibt, der so heißt, weil er eben aussieht wie ein meditierender Buddha von hinten. Und dann meldest Du Dich zu Wort und sagst, das sei jetzt aber überflüssig und wozu das denn gut sein solle, dass es so nen Felsen geben würde. (Witze erklären ist immer etwas müßig- aber ich hoffe dennoch, Du kriegst die Pointe ein bisschen?). :-) Scherz beiseite: Ich habe verstanden, es geht Dir um ethische Fragen. Und in dem Zusammenhang stellt sich Dir die Frage ob und was genau dieser 'true will' einem (und der Welt) bringt. Kurz noch angemerkt sei: Ich glaube man könnte true will auch übersetzen mit Dauerstandleitung zur Intuition- wobei, true will aber mehr so übergreifende 'Aufträge/Pläne/...' postuliert. Trotz des übergreifenden Charakters, lässt sich keine allgemein gültige Regel daraus ableiten- und die meisten Menschen suchen nach sowas. Bös gesagt nach nem Kochrezept für ein erfülltes, harmonisches Leben-mit oder ohne Allgemeinwohl. Mein Kochrezeptvorschlag ist: Erwache. Alles andere ergibt sich daraus quasi automatisch. Und ich vermute, wenn deutlich mehr Menschen erwachen würden, ergo auch deutlich mehr Menschen ihrem true will folgen würden- dann könnte die Welt viel besser aussehen. Denn wenn jeder im Einklang mit seinem true will, leben würde, dann könnte aus meiner Sicht nix anderes dabei rauskommen, als ein deutlich friedlicheres, harmonischeres und vor allem kooperativeres Miteinander. Aber das ist natürlich nur eine Spekulation von mir- und auch da kann ich mich täuschen. Wobei ich in Anbetracht des Umstandes, dass es sowas seit Menschengedenken noch nie gab, durchaus der Ansicht bin, man sollte und könnte (!) es mal auf nen Versuch ankommen lassen...



  • #7

    Jundurg (Freitag, 10 Februar 2017 19:59)

    Moin.

    Disclaimer: Eventuelle raushörbarer Grant ist einem technischen Problem geschuldet, über das ich mich gerade eine Stunde zu ärgern hatte.^^

    >>Der Satz 'Alles ist Bewusstsein.' klingt ggf. nach Esoterik-Klimbim. Er ist aber eine überprüfbare Hypothese.<<
    Und zwar überprüfbar wie? Philosophen schaffen es noch ned mal, Solipsismus zu widerlegen; Dennett spricht den Qualia ihre Existenz ab, und ich kann nicht in anderer Leute Bewusstsein reingucken.

    >>Such nicht nach was, was Dich überzeugt- überprüfe was, was einigermaßen plausibel klingt und finde heraus, ob es stimmt.<<
    Und wenn gar nichts plausibel klingt? :-D Naja, etwas scherzhaft, aber ich gehe lieber so vor, dass ich versuche, was auch immer ich im Moment glaube zu widerlegen.

    ß ß ß ß ß

    Die Punkte über den true will und die Intution laufen ja eh zusammen; ein "guter Draht zur Intuition" klingt an sich nicht schlecht. Aber realistisch betrachtet ist zwischen Intuition und Ratio kein großer Unterschied; das eine läuft halt unbewusst ab und nutzt daher z.B. andere Teile des Gedächtnis´. Ich wehre mich immer dagegen, wenn jemand eine klare Grenze zwischen Intuition und Vernunft ziehen will. Ich halte den Übergang für fließend und das meiste spielt sich eher dort ab.

    (Ich hab jetzt eine komische Assoziation. Bin nämlich just diese Woche über die Worte des derzeitigen Schachweltmeisters Magnus Carlssen gestolpert - sinngemäß etwa "ich nutze den Verstand nur, um die Intuition zu überprüfen" d.h. er hat die richtigen Züge bereits intuitiv im Kopf und nutzt dann eventuelle Denkzeit dazu, das nochmal verstandesmäßig nachzuprüfen.)

    Vielleicht ist Intuition also einfach eine Form des Denkens, die zu schnell abläuft, als dass der bewusste Verstand mitkommt?

    Anyway. Mit einem Detail hab ich noch ein Problem, nämlich mit dem Argument "wenn die Intuition falschliegt, dann war es eben ein gestörter Empfang" - denn dieses erzeugt eine unfalsifizierbare Hypothese. Damit lässt sich jedes Ergebnis wegerklären, a la "die Ausnahme bestätigt die Regel".

    Ich halte es daher für sinnvoller, zu sagen: Die Intuition irrt sich halt manchmal. Vielleicht hat jemand, der "erleuchtet" ist, eine Trefferquote von 90%. Oder sogar von 99%. Vielleicht ist sie deutlich besser als die von durchschnittlichen Menschen. Kann alles sein. Aber die postulierte Unfehlbarkeit lässt sich meines Erachtens nur aufrechterhalten, wenn man eben "schummelt" und Ausnahme-Erklärungen wie Störsender einführt.

    Das wäre alles aus meiner Sicht nicht notwendig, da man ja trotzdem der Überzeugung sein kann, dass sich die Trefferquote der Intuition durch "Erleuchtung" erhöhen lässt. Und ja, eine Gesellschaft in der die Menschen im Allgemeinen einen besseren Draht zu sich selbst haben, wäre nicht schlecht.

    Grüßle!

  • #8

    Döndü (Freitag, 10 Februar 2017 20:06)

    Hallo liebe Verena,

    ich möchte gerne zwei Dinge loswerden.

    1. Es ist natürlich kein Zufall, dass du gerade jetzt in deinem Beitrag die erlernte-Hilflosigkeit erwähnst. Vielen dank dafür!

    Letzte Woche hatte ich einen Traum, mit genau dieser Botschaft: es ist möglich, befreie dich auch dieser Starre oder kurz gesagt:
    wach` auf, geh` weiter :)

    Nach dem ich mich heute mit deinem Blog beschäftigt habe, wird mir klar, dass ich dieses psychologische Profil der erlernten-Hilflosigkeit so sehr verinnerlicht habe, dass ich es nie hätte loswerden können. Der Determinismus oder die Idee davon, war wie ein Synonym für die erlernte Hilflosigkeit. Auf eine Art ist es so, als ob ich diese erlernte Hilflosigkeit akzeptiert, sogar integriert habe, da ich den Determinismus verstehe. Wie Irre! Und doch, sind das ganz verschiedene Paar Schuhe!

    Ich plane eine überwachte Sprengung und bin sehr gespannt, was danach noch davon übrig bleibt :)

    2. In diesen Kommentaren von Jundurg erkenne ich mich so sehr wieder. Ich war lange mit Ethik, Philosophie, Psychologie beschäftigt um das Leben zu verstehen, es ging alles übers Denken. Und schließlich kam ich zu dem Punkt, wo ich mich nur noch im Kreise drehte. Ich meine, egal welche schlauen Theorien man bemüht und intellektuellen Schlussfolgerungen zieht, es bringt gar nichts, solange es nur Denken bleibt. Ich meine, es war mein Weg, richtig und wichtig bis dahin, es brachte mich weiter, aber das war`s dann auch.

    Ich bin froh, dass ich die Erfahrung machen durfte, dass das Leben mehr ist als Theorie und Denken.
    Heute bin ich zwar weniger schlau, aber mehr weise :))

    Alles Liebe <3
    Döndü

  • #9

    Egobuster (Samstag, 11 Februar 2017 00:11)

    Jundurg:
    Es geht bei der Überprüfung darum, dass Du es tust. Und darum, was dabei mit Dir passiert. Nicht darum, ob wer auch immer was auch immer wann auch immer geschafft oder nicht geschafft hat.
    Wenn Du das probieren willst, sei Dir nochmal mein Workshop 'Nonduality to go!' ans Herz gelegt. ;-)

    Bzgl. Intuition: In meiner direkten Erfahrung kommt die nicht aus dem Verstand- und rein neurowissenschaftlich betrachtet, wenn man das zB als implizites Lernen einstuft, sind es auch andere Hirnareale. Meine Empirie dazu ist jedoch weit darüber hinausgehend. Was bei mir inzwischen an Impulsen kommt, kann weder mein Verstand, noch mein Unterbewusstsein generiert haben. Letztes Frühjahr zum Beispiel war da auf einmal die Eingebung 'ab Herbst hast Du keine Geldsorgen mehr'. Ich wusste sofort: Das stimmt- aber es gab nicht den allergeringsten verstandesmäßigen, sinnvollen Grund, das für wahr zu halten. Trotzdem 'wusste' ich, es ist wahr. Diese Eingebung ist nicht auf dem Mist vom Püppi gewachsen. Das kam von 'woanders'. Musste mir auch nicht glauben, das führt so eh nicht weiter, weil wie Döndü schon richtig sagt: Du sprichst grad aus dem Verstand heraus (und der will Recht haben) und willst das 'Problem' dort lösen- aber die Lösung liegt ganz woanders.Ich müsste dazu jetzt zu viele Einzelheiten erzählen bzw. wir müssten uns ein Beispiel von Dir genauer anschauen, sonst bleibt das Frontallappen-Gewichse und bringt niemandem was... Ich habe das Gefühl, Du meinst, ich würde Zusatzannahmen erfinden, um 'meine' Unfehlbarkeit zu promoten. Das Püppi hier macht nach wie vor jede Menge Fehler- aber der 'Ort' von dem die Eingebungen kommen, macht nie Fehler. Niemals. Und den beansprucht das Püppi hier nicht für sich- der ist unser aller Zuhause.
    Insofern: Wenn Dir der Stuss reicht und Du Heim willst, sag gern Bescheid!

    Döndü: Freut mich, wenn es zur Erhellung beiträgt!
    Wegen Sprengung: Du stehst inzwischen auf Platz 2 der Warteliste ;-)

    Euch beiden alles liebe!

  • #10

    Jundurg (Samstag, 11 Februar 2017 21:54)

    Moin.

    Okay, der Punkt ist erreicht, wo wir weitgehend aneinander vorbei reden. ^^

    Ich habe gefragt, wie ich diese Hypothese denn überprüfen könne, und bekomme als Antwort quasi "egal wie, Hauptsache du tust es" - ja ne, das hilft mir kein bisschen weiter, ich *habe* ja eben keine Möglichkeit, es zu überprüfen. Ich wüsste noch nichtmal, wie ich die Hypothese so umformulieren sollte, dass etwas dasteht, was sich überprüfen lässt.

    >>Ich habe das Gefühl, Du meinst, ich würde Zusatzannahmen erfinden, um 'meine' Unfehlbarkeit zu promoten.<<

    Ne, da hast du mich missverstanden. Meine Kritik war daran, dass der Satz "Intuition ist unfehlbar" unfalsifizierbar wird, wenn man erlaubt, dass es sowas wie Störsender gibt.
    Über deine persönlichen Erfahrungen kann ich eh nix sagen, und meine sind halt anders. Selbst wenn ich dir 100% glaube und es auch stimmt, dass 100% deiner Intuitionen richtig liegen - ändert das nichts daran, dass auch nach deiner Aussage *meine* Intuitionen ja eben nicht richtig liegen müssen. Störsender und so.

    (Wobei, *dafür* hätte ich eine Möglichkeit zur Überprüfung: Alle Intuitionen aufschreiben. Konkretisieren ("was bedeutet es, Geldsorgen zu haben?"). Und dann regelmäßig checken, was davon gestimmt hat. Dann wäre zumindest schon mal der Bias von falscher Erinnerung reduziert. Aber okay, das muss dich jetzt nicht interessieren.^^)

    Grüßle!

  • #11

    Egobuster (Samstag, 11 Februar 2017 22:23)

    naja. du hast einmal gefragt wie um danach etliche gründe anzuführen dafür, dass es a) eh nicht geht und b) du dich ja nichtmal für eine hypothese entscheiden kannst/willst- wie soll ich dir da was sinnvolles sagen? dabei liegt es eigentlich auf der hand- wenn du die hypothese, dass alles bewusstsein ist überprüfen willst, musst du versuchen, sie zu falsifizieren. ergo müsstest du etwas finden, was sich außerhalb bewusstseins befindet.

    bzgl intuition: nee sorry- du verstehst mich da- immernoch!- miss. denn von intuition ist unfehlbar, schwenkst du nahtlos wieder zu meiner und deiner intuition um. damit zeigst du, dass du den springenden punkt nicht verstehst. der ist auch schwer, evtl. gar nicht, mit dem verstand zu verstehen. womit wir wieder bei dem punkt sind, dass du auf ner ebene versuchst da ran zu kommen, die einfach nicht geeignet ist, um ne lösung zu finden.
    und rein methodisch betrachtet: jedwede wissenschaftliche untersuchung erlaubt eine gewisse fehlertoleranz- bzw auch störvariablen. du argumentierst da schlichtweg unrichtig, wissenschaftlich gesehn. aber das nur am rande, denn wie bereits gesagt: auf dem weg wirst du der sache nicht beikommen.
    zum beispiel ist es das eine, eine eingebung zu haben- aber etwas völlig anderes, ihr zu folgen oder auch nicht. insofern wird dir auch das notieren deiner eingebungen nix bringen- denn folgst du ihnen nicht (oder machst das 'falsch', weil du die wegweiser nicht richtig interpretierst), wird sich die eingebung auch nicht bewahrheiten. der teufel steckt dabei im detail. so flatterte mir kurz nach der eingebung bzgl geldsorgen eine abmahnung ins haus. jeder 'normale' mensch hätte sich spätestens da gesagt: pfft, tolle eingebung neulich- wasn scheiß! und wäre zu 'business as usual' zurück gekehrt. mir half diese abmahnung jedoch dabei, einiges über mein ungünstiges verhältnis zu geld zu erkennen und aufzulösen. und die eingebung kurz davor, half mir sicherlich dabei, diese abmahn-scheiße in was sinnvolles zu verwandeln. anders gesagt: es reicht nicht, ne info darüber zu erhalten, dass es in 5 km flussabwärts so und so aussehen wird- man muss da dann auch hinpaddeln und nicht bei der nächsten stromschnelle aufgeben...

    bestes!

  • #12

    Claudia (Montag, 13 März 2017)

    Hm, sehr verstandeslastige Erläuterung. Dieses Thema mit der Logik des Verstandes anzugehen, ist völlig unsinnig. Erst, wenn klar gesehen wird, dass der erscheinende freie Wille nur der Eine Wille ist, der geschieht und kein anderer geschehen kann, kann auch aus der Stille gesprochen/geschrieben werden. Doch da wird fragmentiert, was nicht fragmentierbar ist, um die Einzelteile dann wieder zu einem Ganzen zusammenzufügen. Erwachen heißt nicht zu glauben, es verstanden zu haben, sondern es sehr klar zu sehen. Dann bedarf es dieser umfangreichen Analyse nicht. Es ist sehr klar erkennbar, dass die Worte aus dem konditionierten Verstand kommen, was natürlich ein Verstand nicht sehen kann. Grüße

  • #13

    Egobuster (Montag, 13 März 2017 17:04)

    Claudia,
    ich erkläre Dinge für Menschen, die noch maßgeblich mit dem Verstand 'zuhören'- und dafür nehm ich gern in Kauf, wenn andere Menschen meinen, besser über das was ich erfahre und erlebe Bescheid zu wissen, als ich selbst.
    :-)

  • #14

    MrCriticalsoul (Mittwoch, 15 März 2017 22:05)

    Egobuster wir Berliner müssen zusammenhalten ;)
    ( Gott sei Dank ) bist du die Intelektuelle-Rettung der total verkorksten, stehen gebliebenen, abgestumpften und vor allem nichts sagenden spirituellen Szene.
    Jeder " Spirituelle Lehrer" ist eine Beleidigung für einen Mystiker oder Wahrheitssuchenden und Du weißt es ja selber, Spiritualität ist ein Geschäftsmodell und leider rollt der Rubel. Die hier aufgeführten Themen sind fundametal wichtig wenn es darum geht die "Funktionweise" der von UNS wahrgenommenen Realität im Wachbewusstseinzustand zu verstehen.
    Auch wenn das immer wieder behauptet wird NEIN! Es gibt nicht nur diese Virtuelle Realität sondern viele andere virtuelle Realitäten die wir bewusst erfahren und besuchen können aber das kann ein Spiritueller Lehrer ja nicht wissen .
    Für die von UNS im Wachbewusstseinszustand wahrgenommene Realität stellen sich natürlich die og. Fragen und das überhaupt noch ein Mensch im Jahre 2017, nach mehr als 60 Jahren Quantenphysik, Determinismus Predigt ( siehe Werner Ablass ) zeigt wie verrückt und vollkommen unwissend gelehrt wird . Deterministisches Denken ist total veraltet und kann höhstens noch Newtons Zeiten wiederspiegeln. Es ist mittlerweile, mehrere Tausende Experimente später nachgewiesen....und das ist jetzt wirklich WICHTIG......das UNSERE ABSICHT EINFLUSS AUF EINSTRITTSWAHSCHEINLICHKEITEN IN DER ZUKUNFT HAT! ( Das können Spirituelle natürlich nicht wissen )
    Diese Erkenntnis zerstört komplett den Deterministischen Gedanken (Gott sei Dank :))
    Das heißt es gibt für ALLES was passieren kann unterschiedliche EINTRITTSWAHRSCHEINLICHKEITEN und ABSICHTEN die formuliert werden um diese Wahrscheinlichkeiten zu beinflussen. Das heißt, wenn es mich nicht gibt, wer beeinflusst dann die Wahrscheinlichkeitsverteilungen in der Zukunft ?????????
    Noch was zu den Expereimenten bei denen Wissenschaftler zu den unglaublichen Schluss kahmen das es keinen freien Willen gibt . Unser Biomechanischer Bewegungsapparat ist sehr sehr sehr langsam was die weiterleitung von Informationen anageht dh. wenn Ich den ARM heben will sobald eine Glocke klingelt ohne das es zu einer Verzögerung kommt oder einem komischen Aussetzer dann muss sich mein Körper auf eine wahscheinliche Bewegung ( siehe oben ) vorbereiten . "Bewusstsein" schlatet also schneller als unser Körper.......WAS FÜR EIN WUNDER......aber das können Wissenschaftler ja nicht wissen ;).

  • #15

    Egobuster (Donnerstag, 16 März 2017 00:18)

    Hi Mr.Criticalsoul!
    Wenn Du in Berlin wohnst, komm gern mal in der Seekers Corner vorbei! Zum Biepsiel ist da immer Mo von 19-20 Uhr einfach sitZEN- 60 Minuten Meditation im Zen-Style- davor oder danach könnten wir dann ja ein Pläuschchen halten...
    bzgl des Einflusses der Absicht (oder auch einfach 'nur' des Beobachters, wenn man mal ans Doppelspalten-Experiment denkt) seh ich das so: Wenn jemensch die Vorstellung (Absicht) von Determinismus- oder auch immer wieder geiler Spiri-Kinderkram: Dem Spiegelgesetz hat- dann sieht dessen Realität auch genau so aus. Und das ist dann auch die Krux: Wer sowas glaubt, ein Dogma draus macht etc. wird ums verrecken keine Hinweise 'sehen' oder gelten lassen, die dem entgegen stehen- und solche Hinweise werden dann auch eben durch die Konstruiertheit der jeweiligen Realität nur sehr selten überhaupt aufkommen. Ist ein selbst geschaffenes Gefängnis- aber ja mei, denk ich mir mitunter- Freiheit beinhaltet auch die Freiheit, sich zu maximaler Unfreiheit zu entscheiden. Wem's gefällt- bitteschön. Hat halt nur mit der Wahrheit nix zu tun- da bin ich ganz bei Dir...
    Bzgl dem Libet-Experiment: Da liegst Du nicht ganz richtig. Bei dme Experiment gab es keinen Klingelton. Die Probanden sollten völlig frei entscheiden, wann sie den Finger heben und anhand einer Stoppuhr den Zeitpunkt berichten zu dem sie dne bewussten Entschluss gefasst haben. Dass es ein Bereitschaftspotential zur Bahnung motorischer Handlungen gibt, war bereits bekannt- und genau das wurde auch als Variable mitgemessen. Genau deshalb konnte ja festgestellt werden, dass eben dieses Potential zeitlich deutlich dem bewussten Entschluss voran ging. Und obwohl Kopfrechnen keine Anbahnung einer motorischen Handlung benötigt, fand sich eben jenes zeitlich verschobenes Muster auch in diesem Experiment. Aber, und das ist der springende Punkt: es gibt eben das besagte Veto-Recht- und das wiederum ist zeitlich so knapp vor der Handlung (200 ms sind verdammt kurz), dass das anscheinend ohne das Bereitschaftspotential auskommt. Und da hätten wir ihn dann eben doch, den freien Willen.
    Wobei ich, das wird evtl. noch deutlicher in meinem diesbzgl Video vor allem betonen möchte: Es gibt den wahrhaft freien und somit echten Willen nochmal ganz anders- nämliche den, der nicht vom Ego kommt. Falls du es noch nciht kennst, hier der link zum Video:
    https://www.youtube.com/watch?v=Wy96NwCcBcE
    Alles Liebe und Danke für Deinen spannenden Input!
    Und vielleicht sieht man sich ja mal...
    :-)

  • #16

    Lilly (Freitag, 07 April 2017 09:14)

    WOW!
    Toll geschrieben!! Werde ich noch ein paarmal lesen ;-))

  • #17

    Egobuster (Freitag, 07 April 2017 19:22)

    Herzlichen Dank, Lilly!
    Freut mich, wenn's gefällt!
    :-)